Stiften will gelernt sein

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Alumnibüros sind aus den Hochschulen heute nicht mehr wegzudenken. Andererseits haben nur wenige Hochschulen Fundraising als Routineaufgabe etabliert. Dies wirft zwei Fragen auf.

  1. Wann und wo müssen “Alumniarbeit” und Hochschulfundraising starten – mit der Immatrikulation oder in der Hochschulleitung?
  2. Hält das Paradigma “Erst Friendraising, dann Fundraising!” die Hochschulen noch immer vom Spendensammeln ab?

Die erste Antwort liegt nahe: Beides ist wichtig. Fundraising – verstanden als stategische Beziehungspflege und Teil der Hochschulplanung – ist eine Leitungsaufgabe. Wenn potentielle Spenderinnen und Spender erkennen können, wohin und wie sich eine Hochschule oder Fakultät entwickeln will, ist der erste Schritt getan. Prioritäten helfen, ein Profil zu vermitteln und geben Orientierung – auch den Alumni und jenen, die deren Netzwerke professionell betreuen.

Zugleich brauchen und suchen Studentinnen und Studenten – die Stifterinnen und Stifter von morgen! – von Beginn an Gelegenheiten sich zu engagieren. Auch für Ziele und Projekte ihrer Hochschule, wenn es ihnen passt: mit einem Klick, ihrer Zeit, guten Ideen, ihrer Arbeitskraft und auch einfach nur mit einer Geldspende. “Identifikation” heißt das Zauberwort.

Identifikation sei eine äußerst knappe Ressource, heißt es in den Hochschulen. Studienbedingungen und Service müssten erst noch grundlegend verbessert werden, bevor sich alle Studierenden als Alumni binden lassen. Das ist nicht ganz falsch. Es reicht nicht! Denn Selbstbindung wächst durch gemeinsame Erlebnisse, gemeisterte Herausforderungen, verbindende Projekte und Resonanz von Dritten. Spitzenmäßige Lehre und studienbegleitender Service verstärken dies noch. Mehr aber auch nicht.

“Friendraising beginnt mit Fundraising!” müsste der Leitspruch in den Alumnibüros lauten. Hochschulfundraising beginnt dann idealerweise im Studium selbst. Studierende entwickeln Projekte und lernen wie Spendensammlungen funktionieren und wie Menschen und Firmen auf Spendenanfragen ansprechen. Schlüsselkompetenzen für viele Berufseinstieger und Ehrenamtliche, denn diese Themen gehören in vielen Berufbildern längst zum Alltag: in Vereinen, Wohlfahrtsverbänden, Kommunikationsagenturen und CSR-Abteilungen. Es gibt für studentisches Fundraising schon Beispiele an deutschen Hochschulen, die in diese Richtung weisen:

Viele dieser Initiativen sind oder waren studentische Graswurzelprojekte. Sie kommen und gehen. Einige bleiben, finden Nachwuchs und wirken dauerhaft. Hochschulleitungen und deren Fundraising- und Alumnibüros können dieses Engagement strategisch nutzen und stärken, in dem sie Studierende als Lernende, authentische Botschafter und Mitarbeiter an Fundraisingkampagnen beteiligen. Relevante Themenfelder gibt es dafür genug: studentische Initiativen, Service Learning-Projekte, Stipendien oder karitative Anliegen im Umfeld der Hochschulen. Millionenspenden werden dabei nicht im Vordergrund stehen! Es geht vielmehr darum, Gelegenheiten zu schaffen und Partizipation zu ermöglichen, wo Studierenden längst bereit wären zu helfen.

Wenn wir sie fragen! Damit sie ihren Hochschulen helfen können, Absolventinnen und Absolventen (und andere) aktiv um Unterstützung zu bitten.

Der Text erschien am 13. Dezember 2012 im HSM Magazin für Hochschulmarketing.

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