Hallo, Schachteltaxi!

alteSchachtelMit dem Menschenrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit war auch Basteln gemeint. Welten schaffen, Räume und Gemeinschaften gestalten. Mit alten Schachteln und Falten.

Zwei Orte kenne ich, die jede alte Schachtel am Ende ihrer Tage noch einmal besucht haben sollte. Gelegentlich fahre ich sie durch die Stadt. Meist bleiben wir im Viertel, selten geht es auch mal über die Elbe. Weite Wege sind ohnehin kaum nötig.

Zwei oder drei Paar Schuhe kauft jeder von uns pro Jahr. Mehr oder weniger. So verlassen in Deutschland – grob geschätzt – eine Viertelmillion Schuhkartons Jahr für Jahr einen Schuhladen, landen intakt in einem Wohnungsflur oder direkt in der Presse. Je nachdem. Alte Schachteln eben.

Wenn sie können, verbasteln Kinder beeindruckende Mengen gebrauchter Kisten, Kartons, Boxen, Papierrollen und alter Schachteln in Kindergärten und Schulen. Sie verpuffen regelrecht (die Schachteln!). Einfach so. Und dabei entstehen filigrane Bühnenbilder, Papppppanzer, Häuser, Flugzeuge oder Wohnheime für kleine Drachen. Lauter so Zeugs.

Ich frage mich nun, wie wir all die schachtelnden Kinder mit all den alten Schachteln aus der näheren Nachbarschaft versorgen können: regelmäßig. Die Montag Siftung Urbane Räume hat 2012 für diese Frage eigens den Wettbewerb Neue Nachbarschaft ausgelobt.

Mein Vorschlag heißt Schachteltaxi.

Eltern und andere Nachbarn retten bei jeder Gelegenheit und beim nächstbesten Schuhhändler oder Einzelhändler oder Handwerker oder bei Großverbrauchern wie Krankenhäusern Kartons. Bevorzugt mit Fahrrädern, die heute in Westeuropa auch wieder große Volumina schaffen – Lastenräder und Hänger machen es möglich. Außerdem beginnen Gewerbetreibende und Versandhändler im näheren Umfeld miteinander Kisten zu tauschen. Lokalökonomisches Networking auf Pappebasis?!

Diese Idee passt zu Remida, erzählt mir eine Kollegin, während ich diese Zeilen schreibe. Ist also gar nicht neu. Gibt es schon als CheMida in Chemnitz:

… als Sammelstelle für Reste, Überschüsse und Muster von Firmen, richtet sich an Kinder aus Chemnitzer Kindertageseinrichtungen.

Kann dieser Ansatz auch ohne zentrales Rohstofflager funktionieren – mit Direktverbindungen zwischen Schachtelquelle und Bastelhöhle? Als Gemeinschaftsaktion eines Schachteltaxikollektivs. Oder als Kombination beider Strategien?

Alte Schachteln fahren Schachteltaxi. Und dann treffen sie auf Ideen, wie die von Cain’s Arcade mit der Imagination Foundation:

Wer fährt mit?

Ein Gedanke zu „Hallo, Schachteltaxi!

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