Neue Studie: Hochschulfundraising und staatliche Matching Funds

„Begrenzt auf zunächst fünf Jahre soll jeder Euro von privaten Stiftern durch einen Euro von Seiten des Freistaates verdoppelt werden“ forderten Bündnis90/ Die Grünen 2009 in Sachsen im Landtagswahlprogramm (S. 82).

So könnten hierzulande Matching-Funds-Programme funktionieren. Stephan A. Jansen und Tome Sandevski haben an der Zeppelin Universität dazu eine neue (zweite) Studie veröffentlicht: Die Bildung der Finanzierung und ihre Forschung – oder: die forsche Finanzierung der Bildung / Hochschulfundraising und staatliche Matching Funds-Programme im internationalen Vergleich (pdf).

Ihre Empfehlungen sind wegweisend – und beschreiben neue Welten im deutschen Hochschulfundraising.

In der besten aller Welten werden Hochschulen und Universitäten von ihren Ehemaligen, von Bürgerinnen und Bürgern der jeweiligen Stadt, den Eltern der Studierenden und auch von Unternehmen und wohlhabenden Stiftungen mit Spenden und Zustiftungen unterstützt. Weil zwischen ihnen lebendige Verbindungen bestehen und gepflegt werden: Ideen, Beratung, Projekte, Gründungen und Initiativen, gemeinsame Ziele, geteilte Erfahrungen und Werte – Engagement.

In der zweitbesten Welt für Rektorinnen, Präsidentinnen, Fundraiserinnen Hochschulen fördert die deutsche Politik den Aufbau und die Professionalisierung von Fundraisingabteilungen in Hochschulen und folgt damit den Empfehlungen der beiden Autoren:

  • stärkere Orientierung der Fundraising-Bemühungen auf Alumni und Privatpersonen,
  • Anstieg der Programmpauschale im Rahmen des Deutschlandstipendiums von sieben Prozent auf 70 Prozent für die nächsten drei Jahre – danach auf 30 Prozent,
  • für 100 Hochschulen: je eine Million Euro Investitionsmittel und Verdopplung eingeworbener Spenden durch den Staat bis zu fünf Millionen Euro in vier Jahren,
  • für die 20 drittmittelstärksten Universitäten: je zehn Millionen Euro staalticher Matching-Funds im Verhältnis 2:1,
  • … unter der Bedingung, dass sowohl Stipendien als auch Stiftungskapital und Spenden für Forschung und Lehre sowie relevante Summen von Privatpersonen eingeworben werden.

Klingt das heute noch utopisch? Für Entwicklungsländer – vielleicht. Jansen und Sandevski argumentieren auf Seite 58 der Studie mit Realismus:

Die hier vorgeschlagene Matching Funds-Initiative würde noch nicht einmal die Hälfte der Kosten der ersten Phase der Exzellenzinitiative verursachen, hätte aber durch den Aufbau von Fundraising-Strukturen längerfristige Effekte für eine größere Zahl von Hochschulen.

Wo verlaufen die politischen Konfliktlinien? Die unendlichen Studiengebührendebatten taumeln derzeit ins Abseits, kommen aber wieder. Mit Hochschulpolitik ist in Landtagen kaum ein Blumentopf zu gewinnen. Welchen Einfluss hat das Kooperationsverbot für Bund und Länder auf diese Vorschläge? Werden sich linke Parteien überhaupt jemals für Instrumente privater Hochschulförderung stark machen? Was muss dafür passieren? Eröffnen die süddeutschen Bundesländer mit eigenen Matching-Programmen demnächst einfach den Wettbewerb und gehen weiter voran? Werden die Hochschulen – gegenüber Politik und ihren Förderern – mutiger, unabhängiger, offener und dialogorientierter, wenn ihre Finanzierung auf zusätzlichen neuen Säulen beruht? Und wenn ja, wer will das in Politik und Ministerialverwaltung eigentlich wirklich?

Trotz alledem: Abwarten lohnt sich nicht.

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