Wer war Theophil Weber?

Auf Theophil Weber stieß ich kürzlich in der SLUB. Dort wurde sein 1893er Tourenbuch für Radfahrer vom Königreich Sachsen digitalisiert. Mit seinem Verlag veröffentlichte er damals weitere Touren-Bücher – vom Rhöngebirge, vom Harzgebirge, von Thüringen – sowie Bände mit RadfahrerPoesie und zur Frage Ist das Radfahren gesund? mit Aerztliche[n] Gutachten über das Radfahren, die – in der dritten Auflage – noch um  … fachmännische Gutachten über das Radfahren erweitert wurden. Noch gibt es diese Bücher nicht digital [Nachtrag: Aber jetzt!]. In der Deutschen Nationalbibliothek sind nur wenige seiner Werke katalogisiert.

Theophil Weber taucht in nur einem Wikipedia-Artikel auf; dort geht es um einen Streit mit dem Präsidenten des Deutschen Radfahrerbundes Carl Hindenburg:

So kritisierte 1890 der Chefredakteur der Leipziger Zeitschrift Stahlrad, Theophil Weber, die „Verschwendungssucht“ des DRB-Präsidiums unter Hindenburg, das sich extrem hohe Gelder aus der Verbandskasse habe auszahlen lassen. […] Auf Hindenburgs Veranlassung wurde Weber gegen den Widerstand des Gaus Leipzig aus dem DRB ausgeschlossen.

Auch dieser Konflikt sollte 1891 in Leipzig zur Gründung des Sächsischen Radfahrer-Bundes führen, berichtet 2011 die Verbandsschrift 120 Jahre SRB (pdf). Derzufolge war Theophil Weber…

der in Zürich geborene Schweizer, 1886 nach Leipzig übergesiedelter Herausgeber der damals größten deutschen Radfahrerzeitung ‚Stahlrad‘ …

Wer hat’s erfunden? Ein Schweizer …der Wissenschaftler Theophil Christen könnte dann u.U. sein Sohn gewesen sein. Für das Stahlrad bietet die DNB auf den ersten Blick nur einen mittelbaren Treffer und auch nicht viel mehr zur Person. Die Sporthochschule Köln sowie die Bibliotheken Bamberg und Mainz aber haben Stahlrad im Bestand. In Sachsen vielleicht ja auch der Radfahrerbund.

Weber veröffentlichte derweil auch das Handels- und Gewerbe-Adressbuch vom Königreich Sachsen und Jahrzehnte später das Fabrikantenbuch der Schweiz: Register der schweizer Fabrikanten, nebst Advokaten, Banken und Speditionsgeschäften.

Leipziger Verleger, sächsischer Radfahrer, Kaufmann, Chefredakteur und Schweizer…Der Mann weckt Neugier.

1903 wurde die Tour de France von einer Sportzeitung gegründet, um deren Auflage zu steigern. Ob Theophil Weber zuvor in Sachsen ganz ähnliche Interessen verfolgte? Die Kombination aus – ich nehme mal an – persönlicher Radsportbegeisterung, neuen Radrennen (1890 in Machern erstmals auch für die Damen!), etwaigen geschäftlichen Interessen mit dem eigenen Verlag und die Gründung eines sächsichen Radfahrerbundes sind dafür ein paar schöne Indizien.

Wer also war Theophil Weber?

4 Gedanken zu „Wer war Theophil Weber?

  1. Theophil Christen der Sohn von Theophil Weber? Sicher nicht.
    Der verlinkte Theophil Christen heisst voll Theophil Friedrich Christen, sein Vater Theophil Christen (ohne zweiten Vornamen) – ein Basler Geschlecht, nicht aus Zürich.

  2. Notizen

    1894 bis 1902 residierte die T. Weber Verlagsbuchandlung in Leipzig in der Nürnbergerstr. 26:
    1894: http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/92667/1126/1/
    1895: http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/90001/1187/
    1898: http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/94284/1346/
    1899: http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/86454/1417/
    1900: http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/98695/1444/
    1902: http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/92625/1547/

    In seinem Handels- und Gewerbe-Adressbuch vom Königreich Sachsen firmiert Th. Weber unter gleicher Adresse auch mit der Internationalen Briefmarkenbörse Leipzig: http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/93054/192/1/

    Die Nürnbergerstr. 29 war „Miets- und Geschäftshaus in ehemals geschlossener Bebauung in Ecklage An der Verfassungslinde mit Einfriedung (Putzfassade; Läden original; Windfangtür)“: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kulturdenkmale_in_Leipzig-Zentrum-S%C3%BCdost

    Zwei Scanns des gebundenen Jahrgangs 1889 und eines Titelblatts „Das Stahlrad / Weber, Theophil“ bietet http://stadtteilgeschichten.net/handle/2339/2978.

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