Nicht nur ein Tausendsassa mit Rad und Wort – viele!

Tourenbücher für Radfahrer hatten – in Zeiten ohne OpenStreetMap, Apps und GPS – im Leben draußen und auf dem Fahrrad ein echten Nutzwert: Streckenverläufe, Entfernungstabellen, Tipps zu Land- und Leuten, Anzeigen von Hotels, Gasthäusern (Bierbar und Krüge im Tourenbuch für Estland!), Fahrrad- und Trikothändlern. Schon diese Vielfalt ist beeindruckend.

Aber, wer waren diese Typen, die Touren-, wanderbücher und Wegweiser für Radfahrer schrieben und/oder deren Erscheinen organisierten? Allesamt Radfahrer und Reisende aus Leidenschaft, Pioniere, Funktionäre, Bürgerliche. Die rasante Entwicklung des Fahrrades in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war in erster Linie eine (ingenieur?)-technische Leistung und später eine des Lobbiismus für „gute Straßen“, wie Charlton Reid in seinem Buch Roads were not build for cars für Großbritannien und die USA zeigt. Aber – und das ist hier die These – der Erfolg des Fahrrades war auch eine literarische Entwicklung, die von Autoren (und auch Autorinnen?) angefeuert wurde, die die Landschaften und Wege außerhalb der Städte – zuerst für die Bürgerlichen, dann für große Teile der Arbeiterschaft und die Arbeiterbewegung – vermaßen, beschrieben und damit sicht- und lesbar machten. Tourenbücher müssten damals verlegerisch ein gutes Geschäft gewesen sein, schauen wir und die vorliegende Vielfalt an. Wer waren diese Fahrrad fahrenden Tausendsassa (vgl. Blog des ABC)?

Einige Beispiele:

Diese Männer – und zeitgleich viele andere – haben vor 120 Jahren im deutschen Sprachraum die Literaturgattung der Tourenbücher für Radfahrer gestaltet – mit Titeln und für Gegenden, die noch heute für Grenzübertritte und die Reiseplanung genutzt werden können. Auf ihren Spuren lässt sich gut wandern und für die eine oder andere ausführliche Hommage dieser Persönlichkeiten ist noch mehr Spurensuche nötig.

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