Forschungsfragen: Velohonig-Nah- und Fernverkehr VNFV

Velohonig ist eine Kulturtechnik, wie imkern, radfahren und forschen.

Für alle, die das Phänomen Velohonig mit eigenen Ideen, Hinweisen und Fragen befördern wollen (ÖVNFV = Öffentlicher Velohonig-Nah- und Fernverkehr) hier eine erste Sammlung auch ernst gemeinter Forschungsfragen: Weiterlesen

Restwärme: Obstbau in Sachsen

Was hat die Dorfbackofenforschung mit dem Obstbau in Sachsen zu tun? Kurz: In Gemeindebacköfen wurde (und wird?) nach dem Brotbacken einst auch noch das Obst gedörrt. Die Restwärme im Backofen läßt sich gut zum Trocknen nutzen. In diesen Tagen beginnt in Sachsen auch die Apfelernte – ein paar Gemeindebacköfen wären dafür sicher eine schöne Ergänzung. Wenn es welche gibt, sind Einladungen hier sehr willkommen!

Für die Region um Dresden ist der Obstanbau ein traditionsreiches Standbein der Landwirtschaft. Das Julius Kühn-Institut (Institut für Züchtungsforschung an Obst) hat in Pillnitz nicht zufällig seinen Sitz. Auch in der Gegend um Kreischa, Borthen, Dohna, Pesterwitz und Pirna dominieren Obstplantagen die Landschaft. Ohorn bei Pulsnitz berichtet auf den Webseiten der Gemeinde vom Obstbau und der Bienenzucht zu Beginn des 20 Jahrhunderts. Und Wein wird im Elbtal auch gern an- und ausgebaut und dann getrunken. Weiterlesen

Heimatforschung x.0

Next generation sequencing wäre wohl, wortwörtlich verstanden und von Historiker*innen betrieben, der Versuch die Zukunft zu verstehen, während sie mit Bruchstücken der ‚DNA‘ von Gegenwart und Vergangenheit puzzeln.

Geschichte schützt nicht vor Erkenntnis

habe ich beim Honig tauschen von einer Historikerin gelernt und will sie bald noch nach der Quelle dieser Weisheit fragen. In diesem Sinne kurz ein paar Fragen zur DNA der Heimatforschung:

Was steckt in digitalisierten historischen Tourenbüchern für Radfahrer, das uns heute im Verkehr nützen könnte? (Carlton Reids Buch Roads were not build for cars weist gekonnt in diese Richtung.) Wie könnte die Renaissance der Gemeinde- und Dorfbacköfen in den Städten und Gemeinden das Abendbrot verändern? Und was trinken wir dazu?

Gibt es so etwas wie Heimatforschung 2.0 – angelehnt an den hiesigen Forschungsverbund Science 2.0? Vermutlich wäre solch eine Schublade eben nur eine solche und so manch‘ Familienforscher und Archäologen (beispielsweise) arbeiten oder publizieren in ihrer Freizeit längst digital, kollaborativ, irgendwie 2.0. Die Wikipedia weiß:

Die Heimatgeschichte ist die Geschichte des lokalen Erfahrungsbereiches.

Wie funktioniert Heimatforschung heute? Gibt es Forscherinnen und Forscher, die über Heimatforschung forschen? Und: wie lernen neue Generationen Heimatforschung? Von ihren Vorgängern?

Hier in Sachsen gewinnen beim Sächsischen Landespreis für Heimatforschung seit 2008 jährlich Laienwissenschaftler- und Schüler*innen Preise; eine öffentliche, digitale Liste aller bisher eingereichten Themen konnte ich leider noch nicht finden. Das wäre dann schon ein Stück ‚Open Science‘: Ein Begriff, der noch den Vorteil hat, nicht mit Zahlenspielen x.0 Glanz und Relevanz erzeugen zu müssen. Next Generation Sequencing ist nunmal schon vergeben.

Warum blogge ich das? Der Leistungskurs Geschichte hat mich nicht zum Historiker gebracht. Heimatforschung ist bisher auch nicht meine Wiese. Politisches liegt mir näher, dachte ich. Dann fanden mich die Tourenbücher für Radfahrer. Und da jeder ein Künstler ist und Designer, sind auch alle Menschen Forscher. Unsere Themen, Fragen und Antworten machen hier dann wohl den Unterschied.

Asyl in Deutschland: Gibt es Hilfe für ‚Akademische Notfälle‘?

Wie können deutsche Universitäten und ihre Mitglieder promovierende AsylbewerberInnen beim Weiterforschen und Doktorarbeit/ PhD abschlließen unterstützen? Wer kennt dafür Beispiele?

Kuchen & Wein. Once upon a time…

Ein kleines Mädchen, Rotkäppchen, dem seine Großmutter einst eine rote Kappe geschenkt hat, wird von der Mutter geschickt, der in einem Haus im Wald wohnenden, bettlägerig kranken Großmutter einen Korb mit Leckereien (Kuchen und Wein) zu bringen. (Wikipedia)

Kuchen und Wein. Selbstverständlich, schnell gelesen, und vergessen. Wer gönnt sich (oder seiner Oma) heutzutage Kuchen & Wein? Oder ging’s im Märchen nur um den Transportvorgang als solchen – zwei leckere Dinge im gleichen Körbchen, aber nicht notwendigerweise zugleich auf der Kaffeetafel: Kuchen zum Kaffee (den hatte Großmutter vielleicht noch) und später dann (abends am Feuer) eine Flasche vom Besten!?

DBP 1960 343 Wohlfahrt Rotkäppchen.jpg
DBP 1960 343 Wohlfahrt Rotkäppchen“. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons.

In einem Bericht der aktuellen Radwelt über Guvnors‘ Assembly erklärt jemand zur Clubphilosophie: „Einige Frauen fahren sowieso Guv’nors und tragen das Trikot, andere mögen hübsche Kleider. Wenn wir Kuchen und Wein in unseren Körben mitbringen und uns gemeinsam mit Sir und Madame ansprechen, macht das einfach großen Spaß.“ England! „Kuchen & Wein“ – ein englischer Picknickklassiker?

Traubensaft, ein leichter Riesling oder Portwein? Wer kultiviert das noch? Die Welt isst doch nicht nur Zwiebelkuchen und Federweißer. Und, wer erzählt davon und schreibt darüber? Es war einmal die Kulturgeschichte von „Kuchen & Wein“ …

Wer erwartet Gründerwissen und Technologietransfer in Bibliotheken?

BIS-2014-2-TitelDie Frage Entwickeln Bibliotheken aus ihre Arbeitspraxis heraus Ideen, Methoden und allgemein Kompetenzen, die im weitesten Sinne transferfähig wären – im Extremfall als Geschäftsmodell? führte 2009 zu einer Reihe Ideen, Feedback, weiteren Gesprächen und letztlich auch zu Projekten der SLUB in Dresden.

Nun haben wir (Bemme/ Bonte/ Pankotsch) im neu erschienenen BIS Magazin der sächsischen Bibliotheken einen Blick auf die Beweggründe und Möglichkeiten für Kooperationen der SLUB mit jungen Firmen, Gründerteams und dresden|exists veröffentlicht. Erfolgreich entwickeln und gründen mit Bibliotheken heißt der Artikel.

Wer war Theophil Weber?

Auf Theophil Weber stieß ich kürzlich in der SLUB. Dort wurde sein 1893er Tourenbuch für Radfahrer vom Königreich Sachsen digitalisiert. Mit seinem Verlag veröffentlichte er damals weitere Touren-Bücher – vom Rhöngebirge, vom Harzgebirge, von Thüringen – sowie Bände mit RadfahrerPoesie und zur Frage Ist das Radfahren gesund? mit Aerztliche[n] Gutachten über das Radfahren, die – in der dritten Auflage – noch um  … fachmännische Gutachten über das Radfahren erweitert wurden. Noch gibt es diese Bücher nicht digital [Nachtrag: Aber jetzt!]. In der Deutschen Nationalbibliothek sind nur wenige seiner Werke katalogisiert.

Theophil Weber taucht in nur einem Wikipedia-Artikel auf [jetzt auch im eigenen]; dort geht es um einen Streit mit dem Präsidenten des Deutschen Radfahrerbundes Carl Hindenburg:

So kritisierte 1890 der Chefredakteur der Leipziger Zeitschrift Stahlrad, Theophil Weber, die „Verschwendungssucht“ des DRB-Präsidiums unter Hindenburg, das sich extrem hohe Gelder aus der Verbandskasse habe auszahlen lassen. […] Auf Hindenburgs Veranlassung wurde Weber gegen den Widerstand des Gaus Leipzig aus dem DRB ausgeschlossen.

Auch dieser Konflikt sollte 1891 in Leipzig zur Gründung des Sächsischen Radfahrer-Bundes führen, berichtet 2011 die Verbandsschrift 120 Jahre SRB (pdf). Derzufolge war Theophil Weber…

der in Zürich geborene Schweizer, 1886 nach Leipzig übergesiedelter Herausgeber der damals größten deutschen Radfahrerzeitung ‚Stahlrad‘ …

Wer hat’s erfunden? Ein Schweizer …der Wissenschaftler Theophil Christen könnte dann u.U. sein Sohn gewesen sein. Für das Stahlrad bietet die DNB auf den ersten Blick nur einen mittelbaren Treffer und auch nicht viel mehr zur Person. Die Sporthochschule Köln sowie die Bibliotheken Bamberg und Mainz aber haben Stahlrad im Bestand. In Sachsen vielleicht ja auch der Radfahrerbund.

Weber veröffentlichte derweil auch das Handels- und Gewerbe-Adressbuch vom Königreich Sachsen und Jahrzehnte später das Fabrikantenbuch der Schweiz: Register der schweizer Fabrikanten, nebst Advokaten, Banken und Speditionsgeschäften.

Leipziger Verleger, sächsischer Radfahrer, Kaufmann, Chefredakteur und Schweizer…Der Mann weckt Neugier.

1903 wurde die Tour de France von einer Sportzeitung gegründet, um deren Auflage zu steigern. Ob Theophil Weber zuvor in Sachsen ganz ähnliche Interessen verfolgte? Die Kombination aus – ich nehme mal an – persönlicher Radsportbegeisterung, neuen Radrennen (1890 in Machern erstmals auch für die Damen!), etwaigen geschäftlichen Interessen mit dem eigenen Verlag und die Gründung eines sächsichen Radfahrerbundes sind dafür ein paar schöne Indizien.

Wer also war Theophil Weber?

Historische Tourenbücher für Radfahrer

Aus dem Tourenbuch des Gau 21 „Sachsen“:

Allgemeines

Die Strassen Sachsens gehören durchweg den besten
Deutschlands an und sind es hauptsächlich die Gebirgs-
strassen, welche sich vorzüglich und wetterfest zeigen.

Die Beschwerlichkeiten, welche das Erreichen von
Höhen durch Schiebparthien verursacht, werden immer
durch grossartigen Naturgenuss reichlich gelohnt und
durch äusserst schöne Thalfarten aufgewogen, deshalb
ist aber auch für Touren im Gebirge eine gute Bremse
unerlässlich, indem die Strassen theilweise starke Gefälle
und kurze Krümmungen aufweisen.

Bei mehrtägigen und längeren Touren empfehle ich
jedem Fahrer, zwei wollene, sogenannte Sportshemden
mit Kragen zum abknöpfen (die besten aus engl. Flanell),
ein leinenes Nachthemd, doppelte Strümpfe, Taschen-
tücher, Regenmantel, Nähzeug, etwas Verbandzeug,
Hirschtalg, Choleratropfen, Handschuhe, Taschenmesser
u. s. w., sich im übrigen aber auf das Nothwendigste zu
beschränken, ferner das nöthige Werkzeug (Schrauben-
schlüssel, Schraubenzieher), Draht, Bindfaden, gefüllte
Oelkanne, gerichtete Lampe, Riemen zum aufschnallen
der Joppe etc.

Möge nun dieses Werkchen den versprochenen
Zweck erfüllen und alle Sportsgenossen veranlassen,
recht fleissigen Gebrauch davon zu machen, auch soll
es den Herren Fahrwarten das Vorschlagen von Club-
touren erleichtern, damit das Tourenfahren zu immer
grösserer Blüthe gelange.

Dresden, im Juni 1893.

Mit kameradschaftlichem „All-Heil“

M a x H e r t el,
Gaufahrwart.

ScreenShot-SLUBdigital-TourenbuchWer weiß mehr als ich über die Tourenbücher für Radfahrer Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts? Eine digitale Kollektion historischer Tourenbücher für Radfahrer scheint es noch nicht zu geben. Die Deutsche Digitale Bibliothek verzeichnet aktuell nur den oben zitierten Band. Die SLUB hat außerdem noch das Tourenbuch für Radfahrer vom Königreich Sachsen / unter Berücksichtigung der angrenzenden Staaten aus dem Jahr 1893 und das Tourenbuch des sächsischen Radfahrer-Bundes digitalisiert und ein Tourenbuch des Vogtlands sowie Tourenkarten im Katalog. Und für andere Regionen wurden seinerzeit ähnliche Büchlein verlegt.

Das fehlt vielleicht noch: Eine Kleine Geschichte der Tourenbücher für Radfahrer. Allein die Inserate der Fahrrad-, Fahrradteile- und Fahrradkleidungshändler und der Hotels erzählen jede Menge über Zeitgeist und Fahrradkultur – weit vor Bed & Bike.