noch eine Müslischüssel von Vaidava Ceramics

Vaidava liegt im Gauja Nationalpark (Livländische Schweiz).

Vaidava ist auch der Name einer wunderbaren Keramikfabrik bzw. -werkstatt: In den 80ern gegründet, heute noch Familienunternehmen, mit großartigen Designs und Sinn für internationale Märkte.

Zugegeben: Meine Reise nach Estland drehte sich um die alten Radfahrergeschichten – und um eine zweite Müslischüssel. Meine erste fand ich einst im Dorfladen von Ance.

Gustav Bauer – aus Dresden, in Leipzig, in Reval und in Riga

Gustav Bauer hatte einen Draht nach Reval (heute Tallinn) und Riga. Erschienen doch dort seine velocliché-Motive im redaktionellen Teil des estnischen Tourenbuchs sowie in mehreren Anzeigen estnischer und lettischer bzw. deutscher Fahrradhändler.

Der Baltische Radfahrer-Kalender für das Jahr 1897 von 1896 aus Riga ist eine gute Ergänzung für das 1897er Touren-Buch von Estland. Enthalten sind darin Radfahrordnungen estnischer, lettischer und kurländischer Städte, die dortigen Radfahrervereine und tabellarisch 84 Touren – bspw. auch zwei Touren, die Arensburg (heute Kuresaare) auf der Insel Ösel/Oesel (heute: Saaremaa) einschließen. Inseln fehlen auf der Karte zum bzw. im Touren-Buch von Estland. Meine Frage nach ersten Radfahrern auf Muhu und Saaremaa wäre damit beantwortet: Beide Inseln waren 1896 radtouristisch doch schon relevant!

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Unterwegs … in Estland …

Lihula

Leal. Flecken im Gouv. Estland, Kreis Hapsal, mit ca. 600 Ew., unterhalb eines Berges, auf dessen Höhe das Schloss Leal liegt.

Wie die übrigen Städte Estlands, ist auch Leal unter dem Schutze eines festen Schlosses entstanden und mag unter der Herschafft der Bischöfe von 1221 bis 1559 keine geringe Bedeutung gehabt haben, als die Stadt ist Leal indes nirgend genannt. In den Kriegen oftmals zerstört, sank L. zu völliger Bedeutungslosigkeit herab, wozu die von den Hauptverkehrswegen entfernte Lage nicht wenig dazu beitrug. … [Touren-Buch von Estland, S. 163]

Lihula war eine Entdeckung: eine alte Mühle, ein fast neu eröffnetes Gasthaus, Künstlerinnen, Straßenkunst, ein großes Gymnasium, … Weiterlesen

in velo veritas

in bio veritas

steht auf Margus T-Shirt, der im Norden von Saareema imkertin velo veritas gefällt mir auch … und die Steinmauern, die auf und um den alten Hof seiner Familie in den vergangenen Jahren wieder neu entstanden. Fünf Kilometer in zwei Jahren:

Schafe gibt es dazu auch.

Krug: „Pahhajänes“ (1897). Estnisch (heute): Paha jänes

Viljandi (Fellin) wurde mir heute empfohlen. Das Hostel in Tallinn, in dem dies geschah, war schon belegt. Zeit für Heimatkunde an der Rezeption: An der XII. Haupttour Wesenstein-Fellin stand 1897 bei Kilometer 46 (Rücktour: km 27) der Krug „Pahhajänes“. Estnisch heute: Paha jänes („bad rabbit“). Estnisch enthalte außerdem viele deutsche Lehnworte. Kurort (bezüglich eines Orts an der Westküste) ist auch ein solches, vermutlich.

++ Infotahvel, …

 

Die große Überfahrt

Folgende Zeilen entstanden mit DUO STELLA JUHO im Ohr: Klassiker der 90er – vermutlich auch, um den Umsatz der an der Bar der Finnlady zu fördern.

Das digitalisierte Touren-Buch von Estland (1897) ist nicht der einzige Grund für eine Radreise ebendort, aber ein guter Anlass. Das Büchlein enthält die Hauptrouten der deutschen Radfahrer, aber auch estnische Städtenamen neben den alten deutschen, kleine Ortsbeschreibungen, wichtige Reiseinfos: Werkstätten, Schmiede, Eisenbahnzeiten, ggf. örtliche Vertreter der Allgemeinen Radfahrer-Union, Entfernungsangaben und einen gigantischen Anzeigenteil am Ende, in dem die Wirtschaftskraft der Balten in Riga und Reval um 1900 deutlich wird.

Schon in der Regionalbahn nach Lübeck fällt auf: Die estnischen Inseln Saaremaa und Hiiumaa waren 1897 offenbar noch keine relevanten Radreiseziele. Gab es damals bereits Fährverbindungen zum Festland? Hätte es überhaupt insulare Gründe und damit touristische Ziel gegeben für regelmäßige Überfahrten (für Radfahrer)? Dazu die Frage: Weiterlesen

Wachsendes Sammelgebiet: Ostsee / Baltikum

Noch ein Sammelgebiet (2)

Die Ostseeküste bis nach Estland ist ein lohnendes und herausforderndes Sammelgebiet für historisches Radfahrerwissen. In der Kategorie „Ostsee:Jahrbuch der deutschen Radfahrer-Vereine 1897“ kann jetzt jeder ergänzen. Der Grundstock:

Übersichtskarte Ostsee

Open Access für Radfahrer

Für einen Hobbysammler digitalisierter historischer Radfahrerbücher ist es ein großes Glück, wenn die echte Forschung sein Interesse teilt. In den vergangenen Wochen haben elf Student*innen der TU Berlin in den Quellen gescrollt, um Technikgeschichte darin zu erforschen.

Echte Forschung! Tatsächlich wissen wir noch nicht viel über diese Literaturgattung: Vermutlich gab es zuerst kleine und dann steigende Auflagen gegen Ende des 19. Jahrhunderts und danach. Die mal mehr und mal weniger dicken Anzeigenteile an den Buchenden sind vermutlich ein reicher Fundus für Wirtschaftshistoriker (siehe das Tourenbuch von Estland!). Wer heute Fahrradwerbung retro neu gestalten will, findet reichlich Nährboden: Typo, Gebrauchsgrafik, Werbetexte. Schließlich auch Biografisches, denn die ‚Pioniere der Landstraße‘ waren oft mehrspurig unterwegs: zugleich als Bürgerliche, Sportler, Unternehmer, Verleger und Verbandsfunktionäre in Personalunion (vgl. Gregers Nissen in Hamburg und Theophil Weber in Leipzig). Diese Geschichte wird nach und nach entdeckt. Historische Quellen finden ihren Weg in die digitalen Sammlungen. Vereine wie der www.altonaer-bicycle-club.de fahren wieder Rad und pflegen damit historisches Erbe. In der Freizeit, einerseits. Mit historischem Spürsinn, andererseits. Weiterlesen

Gibt es noch diese alten Dorfkrüge und Bierbars in Estland?

Wer kann Estnisch, kennt Estland und will helfen, die Krüge (Kr.) und Bierbars (Bierb.) von 1896 ausfindig zu machen und zu besuchen? Falls sie heute noch Gäste erwarten. Vielleicht kann uns Googlemaps bei der ersten Recherche helfen!

Zum Weiterlesen: Riding toward the Civil Society: Bicycle in Nineteenth-Century Estonia von Mikko Kylliäinen

Nachtrag

Orientierungskarte zum Tourenbuch von Estland, C. J. Dethloff, Alph. Krause, 1897.

Inzwischen auch eine digitale Herausforderung: Europa der Regionen

Die Vision „Europa der Regionen“ war für Radreisende vor 120 Jahren zumindest literarisch zum Teil schon Realität. Tourenbücher für Radfahrer und ihre Verwandten wurden für bestimmte Regionen (Gaue, Gebirgszüge, Nord-, Süd-, Ost-, Mittel- und Wetsdeutschland, Königreiche, Nürnberg/ Fürth,…) verfasst. Grenzübergängefahrten tauchen darin als Reisebestandteil selbstverständlich auf, wie auch unterschiedliche Verkehrsregeln im Nachbarland, an die man sich zu halten habe. Die Herausforderung für Sammler und Bibliotheken: Ein digitales Puzzle aller Regionen zu bauen, für die jemals Tourenbücher, Wegweiser, Wanderbücher etc. für Radfahrer erschienen sind – idealerweise mit digitalen Volltexten für die Forschung und neue Radtouren-Apps. Europaweite Radrouten ließen sich dann gut mit diesem „althergebrachten“ Wissen, anderen historischen Quellen, digitalen Medien und anderen Themen anreichern oder neu proklamieren, auch für Europahonig-Rundfahrten.