placemaking: Gespräche & Heimatforschung

Märkte sind Gespräche.

Der Gemeinsame Markt: auch Gespräche

Geschichtsmärkte für Europäische Heimatforschung sind … … Gespräche.

MarketPLACEMAKING:

Der Gedanke: Wer Heimatforschung europäisch denken will – i.S.v. heimatforschend in nahen und entfernten Nachbarschaften, die oder der führt Gespräche – tatsächliche (am estnischen Gartenzaun beim Honigkauf, in Grenzen überschreitenden e-Mails, auf Diskussionseiten in Wikisource und Wikipedia, …) und im übertragenen Sinne (mit Zitaten, Verweisen, entlang von Narrativen, mit Veröffentlichungen, die hoffentlich gelesen werden) …

 

2019: Einleitung

Ich fand Estland in der Nationalbibliothek. Ebay wies den Weg in die Oberlausitz, nach Pulsnitz und dann weiter. Bis Demitz-Thumitz, den Ort kurz vor Bautzen, an dem Georg Pauli mit seinem Verein 1906 den Lausitzer Radfahrer-Bund erfand. Typen wie er prägten die Jahrzehnte um 1900, gründeten Radfahrvereine, Radfahrerbünde und Zeitungen. Als Lehrer, Apotheker oder Verleger schrieben sie Geschichte. Pauli baute sich eine eigene Druckerei.

Mit ihren Tourenbüchern, ihren Wegweisern, Rad-Reisebüchern und Radfahrerkarten begann meine eigene literarische Reise durch Europa. Lange Sommertage in den ehemaligen Ostseeprovinzen – mit dem Rad in Estland entlang der Grenze zu Livland und im heutigen Lettland – prägen inzwischen meine Sicht auf die Dinge – hier und dort.

1936 fuhren zwei Jungen aus Tõrva – August Bernhardt und Enn Saare – mit ihren Rädern nach Berlin, um die Olympischen Spiele zu sehen. Hin und zurück. Diese 3000 Kilometer verbinden die deutsch-estnische Geschichte mit der jüngeren Geschichtsschreibung. Ihr Dankesschreiben, eine Postkarte für die Unterstützer der Reise, ist inzwischen in einem Coffee-Table-Book zu finden, das in Törva im Sommer 2018 in der Lettischen Botschaft auslag. Berlin liegt von dort aus gesehen im Westen. Viel interessanter aber ist: Welche Strecken fuhren August und Enn vor 84 Jahren?

Eine Landkarte der Regionen im Deutschen Radfahrer-Bund von 1882 wurde in der Nationalbibliothek Polens digitalisiert. Die Karte stellt die 40 Gaue des DRB dar: von Hamburg (GAU 1) bis Österreichisch-Schlesien (Gau 40). Wenig später – 1897 – steht im Jahrbuch der deutschen Radfahrervereine:

Die Gaue 32 bis 36 liegen im Ausland.

Die Ostseeprovinzen waren damit nicht gemeint. Und doch gehörten sie zum Verbreitungsgebiet deutscher Fahrradkultur: Clichés des Dresdner Illustrators Gustav Bauer wurden 1897 in Reval und Riga in die dortigen Radfahrerbücher gedruckt. Seine Fahrradmotive fanden also ihren Weg ins Baltikum. Die 40 Gaue des DRB, die Haupt-Consulate der Allgemeinen Radfahrer-Union, die Tourenbücher aus historischen Königreichen, ehemalige Bundes- und Unionshotels, die Bundeseinkehrstellen und die Streckenverläufe der ersten regionalen Rundfahrten – vieles spricht für mehr Forschung und für diese regionalen Spuren europäischer Geschichte.

Europäische Heimatforschung beginnt und endet nicht in Estland, 1500 Kilometer vor Berlin, sondern in Moskau, Schottland, Portugal, Spanien, Krain, West-Galizien oder in Schlesien und der Oberlausitz.

In Archiven, Bibliotheken und Antiquariaten stecken tausende Teile eines großen Puzzles: das gesammelte #Radfahrerwissen einer Heimat – Europa.

Desideratum ’19 – Was kümmern uns die Siege von gestern vorgestern?

Heute, am 23. Dezember, darf ich das bei Historikern so beliebte D-Wort auch einmal benutzen: das Forschungsdesiderat; … denn regionales Radfahrerwissen ist ‚immer noch ein großes und dringliches Desiderat der Forschung‘. Laut Definition der Wikipedia „handelt es sich um ein Objekt, seltener ein abstraktes Ding, das in einer gegebenen Umgebung fehlt, benötigt wird und erwünscht ist.“

Daraus folgt: ich wünsch‘ uns das.

2019.

Im Görlitzer Magazin 32/2019 soll ein dritter Aufsatz über Straßenrennen, Rund-, Dauer- und Zuverlässigkeitsfahrten, die vor 1920 durch Schlesien und die Oberlausitz führten, erscheinen. Mein Interesse liegt auf der jeweiligen Streckenführung. Nur dann sind sie wieder erfahrbar. Die Sieger, Siege und Plazierungen sind dafür insofern relevant, als dass sie mir helfen, die alten Rennen in Archiven und Bibliotheken wieder zu finden, zu datieren und auch zu unterscheiden. Typen wie Ernst Franz sind dabei in erster Linie samt ihrer Rennbiografien interessant, weil sie diese Rennen (nicht immer) gewannen, ob sie nun vergessen sind, oder heute anders heißen.

Wikidata hat sich als Werkzeug für die Dokumentation von Radfahrerwissen bewährt. Erfasst und verknüpft werden können mit Wikidata z.B.:

Gut, wer dort bald selbst Abfragen fomulieren kann – oder, wenn man jemanden kennt, ‚der LOD kann‘. nachgeradelt.de basiert auch darauf. Die Liste der für diese Wünsche attraktiven Archive wird länger: Beeskow — Breslau — … — … — Tartu — Zittau. Europäische Heimatforschung nenne ich das. Zusätzliche Forschungsförderung ist willkommen.

Ein erster Schritt wird sein im www.velomuseum.ee zu fragen.

Presseecho?

Wie wurden die Radrennen der Jahrzehnte ~1900+ in der Oberlausitz, in Schlesien und ggf. in den Ostseeprovinzen von der regionalen Presse begleitet? Spielten Zeitungen als Rennveranstalter auch hier bzw. dort eine Rolle?

mein #SalonEuropa

Jede Idee von Europa und die Spekulationen, Überlegungen und Gespräche darüber sind allesamt Raumaneignungsstrategien.

In dem grandiosen Buch Spekulationen Transformationen taucht der Begriff Raumaneignungsstrategie auch auf und ist mein Anker einiger Zeilen für den #Salon Europaa. Diese Blogparade ist ja im Grunde nichts anderes: Lautes und leises Nachdenken über Europa, raumgreifend im Idealfall, erst recht wenn wir uns irgendwann treffen, um irgendwo miteinander zu reden. Raumgreifend aber auch, wenn es gelingt, Begriffe zu prägen und so bekannt zu machen, dass sie sich verselbständigen können. Eine kleine Plauderei – diese und jene Ideen, Gedankenfetzen und Zusammenhänge sind ja längst da – bei einem Europaabend in diesem Salon darf ich das vermutlich:

Mit Europahonig ist mir das noch nicht gelungen: „Velohonig wird mit Muskelkraft bewegt und reift unterwegs zum Narrativ.“ Europahonig sei dann Velohonig aus dem Nachbarland, lautet meine eigene Definition. Die ist natürlich angreifbar (bzw. dürfen Imker- und Honighändlerinnen, die andere Fahrzeuge nutzen, den Begriff Europahonig selbstverständlich auch verwenden). Ausgangspunkt war der Gedanke, den anerkannt echten „Echten Deutschen Honig“ um Nuancen zu bereichern. Denn trivial ist diese Feststellung: Honig von echten deutschen Bienen, Imkerinnen und Imkern sei zugleich europäischer Honig. Doch: „Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern“ könnte so auch vom Mond kommen, theoretisch. Ich nenne die bunten überregionalen Honigregale im nächsten Laden deshalb gern Honigtapete … „Lunares Imkern ist ja stark im Kommen, nicht?“, fragt übermorgen bestimmt ein junggebliebener alter weißer Mann – mglw. mit wissendem Lächeln – beim ersten Vorstellungsgespräch die übernächste Kandidatin (eine Raumaneignung abermals, hier rhethorisch) … Wir sehen: es geht um geteilte Begriffe – auch um unsere Begriffe von und in lebenswerten Räumen. Die trifft man nicht nur beim Imkern; überall in Europa. Und es geht um Grenzen des Sag- und Wünschbaren. Die gibt es immer weniger und wir sollten uns dessen bewusst sein. Bei Võhma auf der Insel Saaremaa gibt es jetzt ein Velohonig-Schild. Ob und wann es dort an die Landstraße gehängt wird, muss ich noch rausfinden.

Europa ist in erster Linie praktisch und dann wird es schnell emotional. Weiterlesen

Try @nordischinfo

das Online-Magazin für Nordeuropa:

… auch auf Qucosa (und damit in Bibliothekskatalogen mit urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-319963) dauerhaft verfügbar.

Reisebericht

Teil 1: Die Entdeckung Estlands
Teil 2: Lihula, my Love – Auf der EuroVelo 10 in Estland
Teil 3: Saaremaa und Muhu: Zweimal Urlaubsinsel mit Oper und Honig, bitte
Teil 4: Die Schotterstraße nach Pärnu
Teil 5: Mit Wasser und WiFi – durch die Sümpfe von Soomaa
Teil 6: Von Vaidava nach Riga – und zurück nach Stockholm und Malmö

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Europäische Heimatforschung


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Radfahrerwissen in Natur-, Wander-, Gebirgs- und Radfahrerbünden um 1900

… potentiell ein Remix aus Heimat– und Fernwehforschung:

Sammelgebiet: … nach dem … Harz!

Attraktive Sammelgebiete für und von Radfahrerwissen gibt es viele: die Oberlausitz mit dem Sechsstädtebund, die Ostseeküste samt Baltikum und der Hanse.

Und es gibt das Harz-Gebirge:

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