Woher kommen wir, wohin fahren wir und …

… was trinken wir dazu? Darum soll es hier aber heute noch nicht gehen. Met ist nur eine der möglichen Antworten… Die Waldimkerei und Wald-Bienenzucht haben als Zeidlerei in der Siedlungsgeschichte Spuren hinterlassen, die ich hier schnell festhalten will, bevor die neue Velohonigsaison beginnt.

Zu finden sind die Spuren der alten Zeidler gedruckt für den Wald um Nürnberg und Erlangen, für den Zeidelschützen und das Nürnberger Zeidelmännchen (PDF), digitalisiert in Das alte Zeidelwesen in den Nürnbergischen Reichswaldungen von 1870 sowie in Band 33 des Neues lausitzisches Magazins auf Seite 52 ff. Die Geschichte der Waldbienenzucht (1856), bildlich im Wappen von Feucht im Nürnberger Land (und programmatisch in den Vereinen des Ortes: z.B. bei den Imkern, Schützen), für Brtniky am Wolfsberg in Nordböhmen und für den alten Ortsteil Zeidler des heutigen Tharandter Ortsteils Fördergersdorf am Rande des Tharander Waldes. Finden lassen sich außerdem in Bibliotheken Hinweise auf Waldbienenzucht in sorbischen Orts- und Personennamen, für Treblitzsch und Wörlitz – einst Siedlungen altsorbischer Waldbienenzüchter, digitalisiert: aus Klein-Bautzen in der Ober-Lausitz Gottlob Schirachs Wald-Bienenzucht von 1774 sowie das digitalisierte Lehrbuch Das Ganze der Bienenzucht mit dem Ersten Abschnitt Von der Wald-Bienenzucht für den auf Erfahrung gegründete[n] Unterricht für Oekonomen, Cameralisten u. Bienen-Väter, die Bienenzucht auf einen höhern Ertrag als zeither [..] bringen – oder (gedruckt) unter anderen für Lithauen und Nachbargebiete.

Wieviele Orte namens Zeidler (oder ähnlich in anderen Sprachen) gibt es überhaupt? Honig gibt es auch in Polen.

Nachtrag

Europahonig suchen in Ostdeutschland

Im Begleitwort der zweiten Auflage des Wanderbuchs des Bundes Deutscher Radfahrer Band IV. Ost-Deutschland schrieb Gregers Nissen 1925:

Die zweite Auflage von Ost-Deutschland umfasst das selbe Gebiet wie die I. Auflage, obgleich unserem Vaterland grosse Gebietsteile entrissen wurden und der Korridor uns von Ostpreussen trennt.  Ich habe die Hauptstrassen durch die abgetrennten Teile aufgenommen, in der Hoffnung, dass es auch mal wieder anders kommen kann. …

90 Jahre später spricht viel für ausgedehnte Velohonigtouren entlang dieser Strecken ins und im ehemaligen Ostdeutschland, nun Polen und Tschechien – also Europa. Wer kann schon wissen, ob der verdienstvolle Gregers Nissen auch Interesse an der Imkerei hatte? Vielleicht seine Nachkommen. So oder so: Jetzt ist die Zeit für Europahonig! Mit der Hoffnung, dass es nicht wieder ganz anders kommt.

Inzwischen auch eine digitale Herausforderung: Europa der Regionen

Die Vision „Europa der Regionen“ war für Radreisende vor 120 Jahren zumindest literarisch zum Teil schon Realität. Tourenbücher für Radfahrer und ihre Verwandten wurden für bestimmte Regionen (Gaue, Gebirgszüge, Nord-, Süd-, Ost-, Mittel- und Wetsdeutschland, Königreiche, Nürnberg/ Fürth,…) verfasst. Grenzübergängefahrten tauchen darin als Reisebestandteil selbstverständlich auf, wie auch unterschiedliche Verkehrsregeln im Nachbarland, an die man sich zu halten habe. Die Herausforderung für Sammler und Bibliotheken: Ein digitales Puzzle aller Regionen zu bauen, für die jemals Tourenbücher, Wegweiser, Wanderbücher etc. für Radfahrer erschienen sind – idealerweise mit digitalen Volltexten für die Forschung und neue Radtouren-Apps. Europaweite Radrouten ließen sich dann gut mit diesem „althergebrachten“ Wissen, anderen historischen Quellen, digitalen Medien und anderen Themen anreichern oder neu proklamieren, auch für Europahonig-Rundfahrten.

Restwärme: Obstbau in Sachsen

Was hat die Dorfbackofenforschung mit dem Obstbau in Sachsen zu tun? Kurz: In Gemeindebacköfen wurde (und wird?) nach dem Brotbacken einst auch noch das Obst gedörrt. Die Restwärme im Backofen läßt sich gut zum Trocknen nutzen. In diesen Tagen beginnt in Sachsen auch die Apfelernte – ein paar Gemeindebacköfen wären dafür sicher eine schöne Ergänzung. Wenn es welche gibt, sind Einladungen hier sehr willkommen!

Für die Region um Dresden ist der Obstanbau ein traditionsreiches Standbein der Landwirtschaft. Das Julius Kühn-Institut (Institut für Züchtungsforschung an Obst) hat in Pillnitz nicht zufällig seinen Sitz. Auch in der Gegend um Kreischa, Borthen, Dohna, Pesterwitz und Pirna dominieren Obstplantagen die Landschaft. Ohorn bei Pulsnitz berichtet auf den Webseiten der Gemeinde vom Obstbau und der Bienenzucht zu Beginn des 20 Jahrhunderts. Und Wein wird im Elbtal auch gern an- und ausgebaut und dann getrunken. Weiterlesen