Abstract für 26. Verkehrswissenschaftliche Tage 2018

Historisches Radfahrerwissen und Citizen Science
eingereicht am 15. November 2017 –

Historisches Mobilitätswissen ist ein Faktor gesellschaftlicher Narrative, die politische Weichenstellungen in der Verkehrspolitik fundamental beeinflussen. Ein Beispiel: Leben wir im „Autoland Sachsen“ – oder in einem „Fahrradland jetzt“?

Ist das historische Radfahrerwissen digitalisierter Quellen gesellschafts- und verkehrspolitisch überhaupt relevant? Wenn ja: Für wen, in welchem Maß und unter welchen Bedingungen?

Für die Geschichte und Geschichten, die wir uns gegenseitig über Verkehr, Alltagsmobilität, über das Reisen und das Radfahren erzählen, sind gemeinsame Erfahrungen prägend. Mobilitätsgeschichte im Allgemeinen und Fahrradgeschichte im Besonderen existieren nicht einfach. Sie werden immer wieder neu erzählt, geschrieben und diskutiert.

Die Geschichte des Radfahrens geht über die Technikgeschichte des Fahrrades weit hinaus. Weitere Aspekte sind neben dem technischen Fortschritt und geeigneter Infrastruktur z.B. die Preisentwicklung für Fahrräder, die Emanzipation der Frauen auch als Radfahrerinnen, der Zugang von Arbeiterinnen und Arbeitern zu Fahrrädern und resultierend grenzüberschreitende Mobilität in Europa und Übersee.

Der Vortrag zeigt auf, wie die Inhalte historischer Quellen alten Radfahrerwissens im Sinne eines Forschungsansatzes, der Open Science und Citizen Science verknüpft, wieder sichtbar gemacht werden können – auch, um unsere Gegenwart zu gestalten.

Verdeutlicht wird dies anhand einer Sammlung digitaler Tourenbücher für Radfahrer, die zwischen 1890 und 1930 gedruckt wurden. Inzwischen werden sie von Bibliotheken digitalisiert. Zwei weitere Beispiele sind das Jahrbuch der deutschen Radfahrer-Vereine 1897/98 und die regionalen Radfahrerbünde im deutschsprachigen Raum, die weitgehend in Vergessenheit gerieten.

Wie Werkzeuge kollaborativer Wissensplattformen wie Wikipedia und Wikisource für Forschungsfragen und -projekte der sogenannten Bürgerwissenschaften über historische Forschungsfragen hinaus eingesetzt werden können, wird darauf aufbauend diskutiert. Weiterlesen

NÖRV

Ein Weg altes Radfahrerwissen wieder sichtbar zu machen – angefangen bei vergessenen Radfahrerbünden – ist, sie in diesem Internet beim Namen zu nennen: Niederösterreichischer Radfahrer-Verband (NÖRV). Dieser Radfahrerbund bestand um 1923 bis mindestens 1934/38. Auf ebay bietet gerade jemand einen alten Pin (oder Manschettenknopf?) und ein Abzeichen an. Und die ULB Tirol hat folgende Zeitschrift im Bestand:

Radsport für Tirol und Vorarlberg : verbandsamtliche Zeitschrift des Radfahrer-Verbandes für Tirol und Vorarlberg : Mitteilungsblatt des „Niederösterreichischen Radfahrer-Verbandes“, des „Steirischen Radfahrer-Gau-Verbandes“ und des „Radfahrer-Verbandes für Tirol und Vorarlberg“ und des „Mährisch-Schlesischen Rad- und Motorfahrer-Verbandes

Für einen Wikipedia-Artikel (hier wie dort) reicht das alles längst nicht (was gut wäre für „weltweite Sichtbarkeit“ bzw. Findbarkeit) (+1: regiowiki.at).

Wer weiß mehr? Ein Anfang ist gemacht, hiermit.

40x Deutscher Radfahrer-Bund

Der Deutsche Radfahrer-Bund wurde 1884 gegründet und hat eine große Geschichte, die weit über die öffentliche Geschichtsschreibung des heutigen Bundes Deutscher Radfahrer hinausgeht – und ab jetzt einen eigenen Wikipedia-Artikel. Lasset ihn wachsen!

Die Gaue des Deutschen Radfahrer-Bunds sind weitgehend unerforschtes Gelände und bieten mehr als diese 40 regionale Forschungsfelder – einzeln und im Zusammenhang, im Vergleich mit anderen – unabhängigen – regionalen Radfahrerbünden, im internationalen Vergleich, in Bezug auf die Klassen-, Partei- oder Geschlechtszugehörigkeiten der Radfahrer*innen … you name it!
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Asterix – Straßenfahren um die Meisterschaft der Lausitz

Beim Lesen der Rezensionen zum neuen Asterix-Band entstand der Wunsch nach einer fundierten Roadstory um die Lausitzer Radfahrer-Bünde.

Der fiktive Plot spielt um 1925 beim „Straßenfahren um die Meisterschaft der Lausitz„. In den Hauptrollen: die Vereinigung Deutscher Radsport-Verbände VDRV, Sächsischer Radfahrer-Bund SRB, Lausitzer Radfahrer-Bund LRB und Oberlausitzer Radfahrer-Bund OLRB – und ihre Radfahrer.

Görlitz, Zittau und die Landschaften bis Pulsnitz spielen mit. Schlesien auch? Vermutlich gabs auch die eine oder andere Liebesgeschichte. Durften Frauen offiziell am Rennen um die Meisterschaft der Lausitz teilnehmen? Taten sie es (trotzdem)? Die Zeit dafür war längst gekommen.

[Auch ohne „Asterix und die Rechteinhaber“.]

Lausitzer Radfahrer-Bund Logo

Logovarianten des Lausitzer Radfahrer-Bunds

Alte Narrative stärken?

Die Hanse ist viel älter als das Fahrrad.

Der Sechsstädtebund ging ein paar Jahrzehnte später (im 14. Jahrhundert) an den Start. Ohne Radfahrer. Georg Pauli gründete den Lausitzer Radfahrer-Bund erst 1906.

Hanse und Sechsstädtebund: Alte Erzählungen sind sie beide und bekannt, die Hanse überregional wohl noch bekannter als der Oberlausitzer Sechsstädtebund. Mit der vergleichsweise kurzen Geschichte des Radfahrens haben sie vordergründig wenig zu tun. Als Projektionsflächen für historisches Radfahrerwissen könnten bei dienen!

Band 1 und Band 2 der „veloGeschichte alter Städtebünde“ erscheinen eines Tages idealerweise als offene Materialsammlungen für den Unterricht und die (Heimat)-Forschung – als Open Educational Resources. Denn, es gibt noch soviel zu lernen. Darum gehts.

Woraus auch neue Aufgaben für die OER World Map folgen.

Sind Alumni auch als Citizen Scientists brauchbar?

Der Gedanke entstand beim alumniclubs.net-Regionaltreffen an der Uni Leipzig vergangene Woche: Welche Absolventennetzwerke sprechen Alumni der jeweiligen Hochschule an, an Citizen Science-Projekten mitzuwirken: schlicht als relevantes Publikum, insbesondere aber als akademisch gebildete – im Idealfall emotional mit der Hochschule verbundene – Mitforscher, Laien- oder Bürgerforscher*innen?

Während Alumnibetreuung in vielen Hochschulen als normal gelten darf – auch, wenn die Ressourcenausstattung zuweilen unzureichend ist – ist Citizen Science hierzulande noch junges Methoden- und Wirkungsfeld an Universitäten und Hochschulen. Die Third Mission lässt grüßen: [1] [2] [3]. Beide Tätigkeitsgebiete sind auf auf Wohlwollen angewiesen – durch Personalausstattungen, kommunikative Aufmerksamkeit oder methodeische Neugier. Nichtsdestotrotz bieten die Absolventennetzwerke potentiell große Reichweiten sowie motivierte und interessierte Mitglieder – beides gute Treiber für Citizen Science-Initiativen. Beides zu koppeln liegt also nah!

+1 Open Educational Ressources für, von und mit Absolventeninitiativen. 😉

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Suche: Gebrauchtes Radfahrerwissen fürs Fahrradland Sachsen

Im Reflektor-Magazin Winter 2017 des ADFC Sachsen steht dieser kleine Text:

Minna Wettstein-Adelt wurde als Mina Adelt-Duc am 1. Mai 1869 in Straßburg geboren. Von 1895 bis 1897 war sie Chefredakteurin von Draisena, dem “Organ zur Pflege und Förderung des Radfahrens der Damen”. Und heute? Heute stehen in ihrem Wikipedia-Artikel auch die digitalisierten Bücher der Frauenrechtlerin. Die Zeit arbeitet für sie: durch die Digitalisierung, den modernen Feminismus und die unaufhaltsame Fahrradbewegung.

Wissen ist ein Schmiermittel

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