Fragen gibt es überall

Gestern war 1. Berliner Citizen Science Tag im Museum für Naturkunde. War gut! Hier ist ein Bericht.

Die Feststellung

Fragen gibt es überall

stammt aus dem Sommer 2018. Als der Satz veröffentlich wurde fuhr ich durch die Gegend von Kastna:

Berliner Geschichte

Enn Saare : TÕRVAST BERLIINI

“Narrative entwickeln, die uns weiterführen, um ein gemeinsames Bild zu bekommen”, so Dr. Mart Laanemäe, Estnischer Botschafter in Berlin.

Geschichte geht weiter:

#EnnUndAugust fuhren 1936 nach Berlin, um die Olympischen Spiele zu erleben. Rein Mikk, Nachfahre von Enn Saare in , sammelt Wissen über diesen Ort und seine Menschen. Mit seiner Erlaubnis veröffentliche ich hier eine Kopie seines estnischen Textes über Enn Saare und seine Radeise mit August Bernhardt nach Berlin – und zurück. Zuerst die Eine deutsche Übersetzung soll folgen:

Postkarte von Enn Saare und August Bernhardt

Von Tõrva nach Berlin[1]

Enn Saar (früher Eduard Sohikael) wurde am 2.03.1912 in der Mühle von Koorküla geboren. Eltern – Hans Sohikael und Liis Pokk. Enn ging 1937 nach Tallinn, später auf die Insel Saaremaa/ Ösel.

Zwei Schüler der Sekundarstufe von Gymnasium Tõrva, zwei junge Männer, hatten sich vorgenommen, an den Olympischen Spielen in Berlin teilzunehmen. Zur Realisierung der Idee sollten Fahrräder verwendet werden. Beide mutigen jungen Männer, sowohl August Bernhardt als auch Enn Saar, waren kräftige Sportler.

Der Wille war gut, aber das für die Reise benötigte Geld reichte nicht aus. Enn Saars Elternhaus befand sich in Holdre, wo Enn in seiner Freizeit in der Sägemühle für die Reise Geld verdiente. Der Junge August aus Tõrva arbeitete im Sommer als Landarbeiter und bekam so zusätzliches Geld, aber auch das war nicht genügend. Die grösste Sorge war immer noch das Fahrrad. Enn Saar hatte sein eigenes Rad, August aber nicht. Nun war guter Rat teuer. Und sie schafften es. August Bernhardt riskierte und es ist gelungen: er wandte sich an den Geschäftsinhaber der Tallinner Fahrradfabrik mit dem Vorschlag, ihm ein Fahrrad für die Fahrt von Tõrva nach Berlin (natürlich um der Fabrik Reklame zu machen) zu leihen.

Der als erfolgreicher Geschäftsmann, wusste, wie gute Reklame er damit bekommen wird, so gab der Geschäftsmann dem jungen Mann das Fahrrad. Noch mehr; er hat den Jungen 50 Kronen als Taschengeld hinzugefügt. Nun waren die Fahrzeuge da. In Anbetracht des langen Weges und der Unvermeidlichkeit des Gepäcks wurden die Gepäckträger auch an den Vorderrädern montiert.

Hinterher lässt es sich schwer feststellen, wer auf die Idee kam, Postkarten mit der Reiseroute zu drucken. Es gibt keine Notizen über die Kosten und Auflage, aber die Karten wurden gedruckt. Wie man den beigefügten Fotokopien entnehmen kann, ist alles auf der Karte sehr korrekt. Die Postkarte war sowohl eine Visitenkarte für die Jungen als auch eine Bekanntmachung für Tõrva und Estland. Die Postkarten waren auch als Einnahmequelle, weil die Karten während der gesamten Reise zu vereinbarten Preis verkauft wurden. Bemerkenswert ist das gute technische und drucktechnische Niveau der Karten. Sie wurden in der damaligen Druckerei Ramberg in Tõrva gedruckt. Der Käufer erhielt ein Foto der Jungen, den Zweck der Reise und die Hauptroute, und es wurde auch bekannt, dass es so einen Platz auf der Erdkugel gibt, wie eine Kleinstadt Tõrva.

Das Gebäude des Gymnasium von Tõrva auf der Rückseite der Karte befindet sich am selben Ort wie das Gymnasium heute. Die Jungen haben wahrscheinlich auch ihre Deutschkenntnisse erweitert, sonst wäre es schwer gewesen, mit der Reise fertig zu werden, aber die Tatsache bleibt bestehen, das Rennen verwirklicht wurde. Leider kennen wir nicht alle Details der Reise, kennen nicht die Prüfungen und Abenteuer, die die Jungen  erlebt haben, aber sicher ist sicher, dass sie würdevolle Söhne Estlands waren.

Lass uns auf den heutigen Tag kommen! Würden unsere Eltern den Jungen in diesem Alter erlauben, so etwas zu tun? Den Jungen durch mehrere Länder und mit unzureichenden Sprachkenntnissen diese Fahrt möglich zu tun, das war von den Eltern auch eine mutige Tat. Und wie funktionierten die Zollformalitäten und Währungsprobleme?

In Berlin wurden die Jungen gut aufgenommen. Nachdem sie die Olympischen Spielen miterlebt hatten, wurden die Jungen, jetzt auf Kosten und mit Briefen der Olympiaorganisatoren, durch Dänemark und Schweden nach Hause geschickt. Der Ring durch halb Europa und den Spass an der Schiffreise noch dazu! Was für ein Abenteuer und ein Erlebnis für junge Männer, und welch ein Beispiel für jüngere Mitschüler! Schauen Sie sich die zuversichtlichen Gesichter dieser jungen Männer an, sie waren die Söhne einer freien Nation aus einem freien Land. Ich weiss nicht, wie die Rückkehrer von den Einwohnern von Tõrva empfangen wurden, aber sie hatten auf jeden Fall einen festlichen Empfang verdient.

Das mutige Abenteuer der Jungen war Erfolg gewesen. August Bernhardt kehrte, wie versprochen, von der glücklichen Reise zurück und brachte das Fahrrad dem Kaufmann zurück. Ein Geschäftsmann ist kein Geschäftsmann, wenn er eine solche günstige  Werbemöglichkeit nicht benutzt. Auf Wunsch des Unternehmers erstellte August Bernhardt einen Reiseplan, der mit dem von den Olympischen Spielen zurückgekommenen Fahrrad  auf Schaufenster präsentiert wurde. Keine bessere Reklame könnte man nicht ausdenken. Den Sieg feierten: der Geschäftsmann, der Sport, die Jungen und die gesamte estnische Nation. Schliesslich hatte August Bernhardt noch die Möglichkeit, das angenehmste Fahrrad aus dem Laden für sich selbst auszuwählen. Der junge Mann war natürlich froh, das zu tun.

Wo sind sie jetzt, diese jungen unternehmungslustigen Kerle aus Tõrva? Enn Saare lebt nicht mehr. August Bernhardt hat das Schicksal nach Kanada gebracht.

Es wurde das Jahr 1936 geschrieben.

Die kleine Estnische Republik hat sich bei den OS in Berlin noch anders in die Weltgeschichte geschrieben. Bei OS hat bisher noch kein Athlet Goldmedaillen sowohl im klassischen als auch im Freiringen gewonnen. Der Este Kristjan Palusalu kehrte mit zwei Goldmedaillen zurück und wurde ein Nationalheld. Andere Bereiche waren ebenfalls erfolgreich. Insgesamt erhielt die Republik Estland 7! Medaillen bei den Berliner OS. Estland war damals das 14. Land der Welt für Medaillen. Das letzte Mal spielte die Republik Estland mit einer unabhängigen Mannschaft bei den Olympischen Spielen. Estland hatte dann noch ein eigenes Olympisches Komitee. Der Krieg begann und eine tödliche Wende kam. (Danach nannte dieses kleine Land für 50 Jahre – Sowjetestland. Jetzt ist Estland wieder freies Land.)

Rein Mikk

Zusatz: Das Rennen wurde am 23. Juli 1936 in Valga gestartet. Es dauerte 12 Tage bis Berlin. August Bernhardt war Schüler des  Gymnasium Tõrva und Enn Saar der Schüler der Landwirtschaftlichen Schule bei Tõrva. New Estonia 25.07.1936; Bild aus der Fotosammlung von Jüri Villemson.

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3000 km: Relativ kurz ist die Geschichte von Estland

Erinnern und hoffen, neue Narrative für Europa zu finden — ein Bericht aus der estnischen Botschaft in Berlin im Auftrag von nordisch.info.

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Wer war Max Rockenstein?

Oskar Kilian veröffentlichte im Verlag von Max Rockenstein:

Dort erschienen auch:

Max Rockenstein war ein gebilderter historisch interessierter Berliner (vermutlich) Verleger. Zeit für eine Bibliografie, oder mehr! Weiterlesen

Radler-Streifzüge durch die Mark Brandenburg

Radler-Streifzüge durch die Mark Brandenburg, Heft II, von Oskar Kilian

Durch die Märkische Schweiz heißt Heft II der „Radler-Streifzüge durch die Mark Brandenburg“, einer weiteren Reihe einzelner Hefte aus Berlin mit jeweils einzelnen Tourenbeschreibungen (einige Hefte der Reihe wurden in der ZLB Berlin digitalisiert). Erschienen sind ca. 1899 24 Hefte. Oskar Kilian kennt man inzwischen auch in Wikisource, Wikidata und in den Commons.

Die Reihe erinnert an Paul Hildebrands Rad-Reisebücher aus München für die bayerische Umgegend und – in einem weiteren Sinne – an die Rad-Rundfahrten in Deutschland – auch aus Berlin.

Die Titel dieser Streifzüge:

  1. Zum Kloster Lehnin.
  2. Durch die Märkische Schweiz. (ZLB digital)
  3. In die Ost-Prignitz.
  4. Zur Uckermark.
  5. Rund um die Müggel.
  6. Ueber den Fläming.
  7. Zum Werbellin.
  8. Nach Wörlitz.
  9. Ins Ruppiner Land.
  10. Durchs Schenkenländchen.
  11. In die West-Prignitz. (XI. Altmark und West-Prignitz)
  12. Im Spreewald.
  13. Durch die Neumark.
  14. Im Teltow.
  15. Durch’s West-Havelland.
  16. In’s Land Lebus.
  17. Quer durch die Uckermark.
  18. Um den Scharmützel-See.
  19. Spreeland.
  20. Bummelfahrten. (XX. Gamengrund und Rüdersdorf)
  21. In’s Mecklenburg’sche (Müritz-See.)
  22. An Oder und Neisse.
  23. Zum Lausitzer Grenzwall (Muskau).
  24. Im Warthebruch.

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Imker*innen & Open Street Map?

Wie Bienenstände, ImkerInnen und deren Honigverkaufsstellen in Open Street Map kartiert werden sollten, ist offenbar nicht gänzlich geklärt. Weltweit sind dort bislang nur ein paar wenige eingetragen.

Entlang des Radwegs Berlin-Dresden ließen sich mit Open Street Map Honigquellen – und andere Hofläden! – kartieren, so die Idee.

Himmel über Berlin

suntrap_velohonig3In Berlin wurde das Design entwickelt, das nun Velohonigmützen schmückt. Und auch der Himmel darüber ist ein Berliner. Sonst gibt es Velohonig überall dort, wo es Bienen gibt und mindestens ein Fahrrad.

Die erste Auflage Radkappen Velohonigmützen liegt im Lager. Sie kosten einzeln 17 Euro inklusive Versand oder Lieferung. Bestellungen bitte an mich. Selbstabholer kommen mit dem Rad zur Anprobe. Weiterlesen

Mehr als Forschung und Lehre! – Tagung in Berlin

StifterverbandWie sich Hochschulen als zivilgesellschaftliche Akteure verhalten, entwickeln und positionieren (können und sollten), das verhandeln die Teilnehmer*innen einer Tagung des Stifterverbands am 25. und 26. April in Berlin.

Als Gastgeber während der Round Table Session am 25.4. plane ich gerade das Thema und die Thesen (m)eines runden Tisches. Stichworte sind: studentisches Fundraising, studentische Projekte, bürgerschaftliches Engagement. Ein Reisebericht wird es dieses Mal nicht. Freue mich über Fragen und Themenwünsche!

 

Länderspiegel Bürgerstiftungen 2012

Berlin Neukölln. Vom Bürgersteig ist’s nur ein Schritt ins Regionalforum Ost der Bürgerstiftungen

In den Räumen der Bürgerstiftung Neukölln ging es gestern um junge Menschen und um die Frage, wie Bürgerstiftungen ehrenamtliche Mitarbeiter – Zeitstifter – finden, aktivieren und binden können. Wie wir in Dresden mit der Studentenstiftung arbeiten, durfte ich im Gespräch mit Bernadette Hellmann erläutern. Hier steht ein Bericht der Veranstalter.

Außerdem wurde der Länderspiegel Bürgerstiftungen 2012 vorgestellt, eine Vollerhebung u.a. mit detailliert ausgewiesenen Vergleichszahlen anderer Bürgerstiftungen zum Vermögensaufbau, Spendenvolumen und Projektförderung:

Fast 10 Millionen Euro spenden Bürger, Unternehmen und andere Institutionen 2011 an Bürgerstiftungen. Diese investieren mehr als 12 Millionen Euro in das lokale Gemeinwohl.