Angewandte Dorf- und Gemeindebackofenforschung – reloaded

Dorfbacköfen für alle! In den vergangenen zwei Jahren habe ich das Forschungsthema nicht ganz aus den Augen verloren. Ganz wunderbar war, dass ich noch in der Reha ein klein wenig zu den Recherchen für einen Artikel der Süddeutschen Zeitung beitragen konnte, zumal es in Theisewitz bei Kreischa auch so einen gibt.

Nun denn: Die historischen und aktiven Dorf- und Gemeindebacköfen dieser Welt können voraussichtlich von den Erfahrungen mit historischem regionalen Radfahrerwissen profitieren – das werden wir vertiefen:

  • Orte mit Dorfbackofen können nun in einer Kategorie der Wikipedia versammelt werden.
  • Gemeindebackofen heißt eine – auch neue – Kategorie in Wikisource für alle dortigen Quellen.
  • In den Commons von Wikimedia heißt die Category dann wieder Dorfbackofen.
  • International habe ich noch keinen Überblick. Außer. In der Schweiz gibts ein paar, auch aktive, und Forschung dazu.

Bitte ergänzen. Im Idealfall verweisen diese Sammlungen und deren Elemente an verschiedenen Stellen auch aufeinander.

Den Twitterkanal gibt es noch, Ideen für Rechercheziele in der Lausitz, in Brandenburg, Franken und Bayern gibt es auch.

Kann wieder losgehen. Reloaded.

Restwärme: Obstbau in Sachsen

Was hat die Dorfbackofenforschung mit dem Obstbau in Sachsen zu tun? Kurz: In Gemeindebacköfen wurde (und wird?) nach dem Brotbacken einst auch noch das Obst gedörrt. Die Restwärme im Backofen läßt sich gut zum Trocknen nutzen. In diesen Tagen beginnt in Sachsen auch die Apfelernte – ein paar Gemeindebacköfen wären dafür sicher eine schöne Ergänzung. Wenn es welche gibt, sind Einladungen hier sehr willkommen!

Für die Region um Dresden ist der Obstanbau ein traditionsreiches Standbein der Landwirtschaft. Das Julius Kühn-Institut (Institut für Züchtungsforschung an Obst) hat in Pillnitz nicht zufällig seinen Sitz. Auch in der Gegend um Kreischa, Borthen, Dohna, Pesterwitz und Pirna dominieren Obstplantagen die Landschaft. Ohorn bei Pulsnitz berichtet auf den Webseiten der Gemeinde vom Obstbau und der Bienenzucht zu Beginn des 20 Jahrhunderts. Und Wein wird im Elbtal auch gern an- und ausgebaut und dann getrunken. Weiterlesen

Aus der Dorfbackofenforschung: „Unser aller täglich Brot“

Unser aller täglich Brot. Viele Dörfer besinnen sich auf die schöne Tradition des gemeinsamen Backens. Das ist nicht nur gesellig, sondern auch praktisch, günstig und gut. Von Kathrin Hollmer, Süddeutsche Zeitung, 21. August 2015

Community Building anno 1772

Von Gottes Gnaden, Wir, Carl, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg [et]c. [et]c. fügen hiedurch zu wissen: wasgestalt Wir mißfällig vernommen, daß Unsere, wegen Anlegung und gehöriger Einrichtung der Gemeinde-Backöfen, auch Abschaffung der Privatbacköfen, von Zeit zu Zeit ergangene Verordnungen in Unsern Landen allenthalben gehörig nicht befolget worden … Verordnen Wir hierdurch anderweit:
1. Dass alle Gemeinde-Backhäuser, woran sich noch Defecte befinden… in völligen Stand gesetzt, … , wo noch keine Gemeinde-Backhäuser vorhanden, solche unverzüglich vorgerichtet … werden sollen. […]

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Heimatforschung x.0

Next generation sequencing wäre wohl, wortwörtlich verstanden und von Historiker*innen betrieben, der Versuch die Zukunft zu verstehen, während sie mit Bruchstücken der ‚DNA‘ von Gegenwart und Vergangenheit puzzeln.

Geschichte schützt nicht vor Erkenntnis

habe ich beim Honig tauschen von einer Historikerin gelernt und will sie bald noch nach der Quelle dieser Weisheit fragen. In diesem Sinne kurz ein paar Fragen zur DNA der Heimatforschung:

Was steckt in digitalisierten historischen Tourenbüchern für Radfahrer, das uns heute im Verkehr nützen könnte? (Carlton Reids Buch Roads were not build for cars weist gekonnt in diese Richtung.) Wie könnte die Renaissance der Gemeinde- und Dorfbacköfen in den Städten und Gemeinden das Abendbrot verändern? Und was trinken wir dazu?

Gibt es so etwas wie Heimatforschung 2.0 – angelehnt an den hiesigen Forschungsverbund Science 2.0? Vermutlich wäre solch eine Schublade eben nur eine solche und so manch‘ Familienforscher und Archäologen (beispielsweise) arbeiten oder publizieren in ihrer Freizeit längst digital, kollaborativ, irgendwie 2.0. Die Wikipedia weiß:

Die Heimatgeschichte ist die Geschichte des lokalen Erfahrungsbereiches.

Wie funktioniert Heimatforschung heute? Gibt es Forscherinnen und Forscher, die über Heimatforschung forschen? Und: wie lernen neue Generationen Heimatforschung? Von ihren Vorgängern?

Hier in Sachsen gewinnen beim Sächsischen Landespreis für Heimatforschung seit 2008 jährlich Laienwissenschaftler- und Schüler*innen Preise; eine öffentliche, digitale Liste aller bisher eingereichten Themen konnte ich leider noch nicht finden. Das wäre dann schon ein Stück ‚Open Science‘: Ein Begriff, der noch den Vorteil hat, nicht mit Zahlenspielen x.0 Glanz und Relevanz erzeugen zu müssen. Next Generation Sequencing ist nunmal schon vergeben.

Warum blogge ich das? Der Leistungskurs Geschichte hat mich nicht zum Historiker gebracht. Heimatforschung ist bisher auch nicht meine Wiese. Politisches liegt mir näher, dachte ich. Dann fanden mich die Tourenbücher für Radfahrer. Und da jeder ein Künstler ist und Designer, sind auch alle Menschen Forscher. Unsere Themen, Fragen und Antworten machen hier dann wohl den Unterschied.