noch eine Müslischüssel von Vaidava Ceramics

Vaidava liegt im Gauja Nationalpark (Livländische Schweiz).

Vaidava ist auch der Name einer wunderbaren Keramikfabrik bzw. -werkstatt: In den 80ern gegründet, heute noch Familienunternehmen, mit großartigen Designs und Sinn für internationale Märkte.

Zugegeben: Meine Reise nach Estland drehte sich um die alten Radfahrergeschichten – und um eine zweite Müslischüssel. Meine erste fand ich einst im Dorfladen von Ance.

Unterwegs … in Estland …

Lihula

Leal. Flecken im Gouv. Estland, Kreis Hapsal, mit ca. 600 Ew., unterhalb eines Berges, auf dessen Höhe das Schloss Leal liegt.

Wie die übrigen Städte Estlands, ist auch Leal unter dem Schutze eines festen Schlosses entstanden und mag unter der Herschafft der Bischöfe von 1221 bis 1559 keine geringe Bedeutung gehabt haben, als die Stadt ist Leal indes nirgend genannt. In den Kriegen oftmals zerstört, sank L. zu völliger Bedeutungslosigkeit herab, wozu die von den Hauptverkehrswegen entfernte Lage nicht wenig dazu beitrug. … [Touren-Buch von Estland, S. 163]

Lihula war eine Entdeckung: eine alte Mühle, ein fast neu eröffnetes Gasthaus, Künstlerinnen, Straßenkunst, ein großes Gymnasium, … Weiterlesen

in velo veritas

in bio veritas

steht auf Margus T-Shirt, der im Norden von Saareema imkertin velo veritas gefällt mir auch … und die Steinmauern, die auf und um den alten Hof seiner Familie in den vergangenen Jahren wieder neu entstanden. Fünf Kilometer in zwei Jahren:

Schafe gibt es dazu auch.

Krug: „Pahhajänes“ (1897). Estnisch (heute): Paha jänes

Viljandi (Fellin) wurde mir heute empfohlen. Das Hostel in Tallinn, in dem dies geschah, war schon belegt. Zeit für Heimatkunde an der Rezeption: An der XII. Haupttour Wesenstein-Fellin stand 1897 bei Kilometer 46 (Rücktour: km 27) der Krug „Pahhajänes“. Estnisch heute: Paha jänes („bad rabbit“). Estnisch enthalte außerdem viele deutsche Lehnworte. Kurort (bezüglich eines Orts an der Westküste) ist auch ein solches, vermutlich.

++ Infotahvel, …

 

Die große Überfahrt

Folgende Zeilen entstanden mit DUO STELLA JUHO im Ohr: Klassiker der 90er – vermutlich auch, um den Umsatz an der Bar der Finnlady zu fördern.

Das digitalisierte Touren-Buch von Estland (1897) ist nicht der einzige Grund für eine Radreise ebendort, aber ein guter Anlass. Das Büchlein enthält die Hauptrouten der deutschen Radfahrer, aber auch estnische Städtenamen neben den alten deutschen, kleine Ortsbeschreibungen, wichtige Reiseinfos: Werkstätten, Schmiede, Eisenbahnzeiten, ggf. örtliche Vertreter der Allgemeinen Radfahrer-Union, Entfernungsangaben und einen gigantischen Anzeigenteil am Ende, in dem die Wirtschaftskraft der Balten in Riga und Reval um 1900 deutlich wird.

Schon in der Regionalbahn nach Lübeck fällt auf: Die estnischen Inseln Saaremaa und Hiiumaa waren 1897 offenbar noch keine relevanten Radreiseziele. Gab es damals bereits Fährverbindungen zum Festland? Hätte es überhaupt insulare Gründe und damit touristische Ziel gegeben für regelmäßige Überfahrten (für Radfahrer)? Dazu die Frage: Weiterlesen

Gibt es noch diese alten Dorfkrüge und Bierbars in Estland?

Wer kann Estnisch, kennt Estland und will helfen, die Krüge (Kr.) und Bierbars (Bierb.) von 1896 ausfindig zu machen und zu besuchen? Falls sie heute noch Gäste erwarten. Vielleicht kann uns Googlemaps bei der ersten Recherche helfen!

Zum Weiterlesen: Riding toward the Civil Society: Bicycle in Nineteenth-Century Estonia von Mikko Kylliäinen

Nachtrag

Orientierungskarte zum Tourenbuch von Estland, C. J. Dethloff, Alph. Krause, 1897.

Cycling toward the civil Society

Den Artikel Riding toward the civil Society – Bicycle in Nineteenth-Century Estonia von Mikko Kylliäinen fand ich bei der Spurensuche zu Estischen Radfahrervereinen ausgehend vom grandiosen Touren-Buch von Estland mit Fortführung der Touren bis in die Städte Nord-Livlands von 1897, in dem nicht nur damalige (Dorf-)Krüge und die Bierbars entlang der Wegstrecke, sondern auch der umfangreichste (mir bekannte) Anzeigenteil eines historischen Tourenbuchs für Radfahrer, zu finden sind. Riding toward the civil Society kann fast schon als Leitgedanke für das Baltikum, die Nachbarländer, Europa etc. dienen. Mikko Kylliäinens Abstract:

The diffusion of the predecessor of the modern bicycle, the velocipede, started in Europe at the end of the 1860s. Around this time the velocipede also arrived in the area populated by Estonians, at the same time as in the neighboring Finland. The popularity of the bicycle started to grow in the 1880s, when the Baltic Germans first started to found bicycle clubs. In Estonia and northern Livonia, the Baltic Germans had the best possible means of acquiring a manufactured bicycle from abroad. However, this was not the only example of cycling culture in the governments of Livonia and Estonia; also the ordinary people had been interested in cycling since the 1880s. Estonians started to form their bicycle clubs in the 1890s, when the sales of bicycles were growing all over the world. Perhaps, the foundation of bicycle clubs can be partly explained also by the political situation in Estonia and Livonia and the national awakening of the Estonians. Similarly to other types of clubs, the bicycle clubs also offered people a chance to discuss social matters and politics. Thus, the civil society was partly built in bicycle clubs, too.

Meine Visionen: Zum Frühstück servieren wir gemeinsam Europahonig.