Europahonig suchen in Ostdeutschland

Im Begleitwort der zweiten Auflage des Wanderbuchs des Bundes Deutscher Radfahrer Band IV. Ostdeutschland schrieb Gregers Nissen 1925:

Die zweite Auflage von Ost-Deutschland umfasst das selbe Gebiet wie die I. Auflage, obgleich unserem Vaterland grosse Gebietsteile entrissen wurden und der Korridor uns von Ostpreussen trennt.  Ich habe die Hauptstrassen durch die abgetrennten Teile aufgenommen, in der Hoffnung, dass es auch mal wieder anders kommen kann. …

90 Jahre später spricht viel für ausgedehnte Velohonigtouren entlang dieser Strecken ins und im ehemaligen Ostdeutschland, nun Polen und Tschechien – also Europa. Wer kann schon wissen, ob der verdienstvolle Gregers Nissen auch Interesse an der Imkerei hatte? Vielleicht seine Nachkommen. So oder so: Jetzt ist die Zeit für Europahonig! Mit der Hoffnung, dass es nicht wieder ganz anders kommt.

Ein neues Tourenbuch für Radfahrer

Wenn ich es schaffe, notiere ich in den nächsten Woche meine Ideen für ein neues Tourenbuch. Wahrscheinlich wird das Inhaltsverzeichnis beim Ausdrucken ganz anders aussehen, als der folgende Entwurf, aber in Zeiten fast grenzenloser Kollaboration beim Schreiben digitaler Texte stelle ich diese Kapitelüberschriften gern hier zur Diskussion und bin ab jetzt gespannt auf weitere Anregungen. Einige Überschriften tauchten hier im Blog schon ein- oder zweimal samt Textfragmenten auf, andere wollen noch unterfüttert werden:

  • Königreich Sachsen
  • Nach Süden
  • Nach Norden
  • Weltwärts
  • Krüge und Bierbars in Estland
  • Straßen in Sachsen und Hauptrouten in Mitteleuropa
  • Honig in Polen
  • Velo essen und trinken
  • Nadelarbeit
  • Heimatforschung: Open Access für Radfahrer
  • Pioniere der Landstraße
  • Jede neue Rundfahrt verändert dein Gehirn
  • digitale Bibliografie

Digitale Karten: Material für Radfahrer auf Suche nach Honig

Zu digitalisierten Touren- und Reisehandbüchern gehören auch eine große Zahl historischer Karten für Radfahrer für viele Regionen, von denen manche auch digitalisiert werden. Hier die bereits digitale Kartenauswahl aus dem Kartenforum der SLUB Dresden:

Historisch begründetes Fernweh? Ein Ziel, um selbst bei Imkern Velohonig zu besorgen und dabei ein Nachbarland zu entdecken, könnte die Gegend um Honig in Polen sein. Im SLUB-Kartenforum gibt es dieses alte Messtischblatt des Ortes Honig. Wie Honig (Chojnik, województwo wielkopolskie / Landkreis Ostrowo) zu seinem Namen kam und ob bzw. wie viele Imkereien es dort heute gibt, um beim nächsten Besuch auch örtlichen Velo- und Europahonig einzukaufen, bleibt herauszufinden!

Quelle: SLUB/ Deutsche Fotothek: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71054924/

Quelle: SLUB/ Deutsche Fotothek, www.deutschefotothek.de/documents/obj/71054924/

[Ergänzungen]

Wer war Theophil Weber?

Auf Theophil Weber stieß ich kürzlich in der SLUB. Dort wurde sein 1893er Tourenbuch für Radfahrer vom Königreich Sachsen digitalisiert. Mit seinem Verlag veröffentlichte er damals weitere Touren-Bücher – vom Rhöngebirge, vom Harzgebirge, von Thüringen – sowie Bände mit RadfahrerPoesie und zur Frage Ist das Radfahren gesund? mit Aerztliche[n] Gutachten über das Radfahren, die – in der dritten Auflage – noch um  … fachmännische Gutachten über das Radfahren erweitert wurden. Noch gibt es diese Bücher nicht digital [Nachtrag: Aber jetzt!]. In der Deutschen Nationalbibliothek sind nur wenige seiner Werke katalogisiert.

Theophil Weber taucht in nur einem Wikipedia-Artikel auf; dort geht es um einen Streit mit dem Präsidenten des Deutschen Radfahrerbundes Carl Hindenburg:

So kritisierte 1890 der Chefredakteur der Leipziger Zeitschrift Stahlrad, Theophil Weber, die „Verschwendungssucht“ des DRB-Präsidiums unter Hindenburg, das sich extrem hohe Gelder aus der Verbandskasse habe auszahlen lassen. […] Auf Hindenburgs Veranlassung wurde Weber gegen den Widerstand des Gaus Leipzig aus dem DRB ausgeschlossen.

Auch dieser Konflikt sollte 1891 in Leipzig zur Gründung des Sächsischen Radfahrer-Bundes führen, berichtet 2011 die Verbandsschrift 120 Jahre SRB (pdf). Derzufolge war Theophil Weber…

der in Zürich geborene Schweizer, 1886 nach Leipzig übergesiedelter Herausgeber der damals größten deutschen Radfahrerzeitung ‚Stahlrad‘ …

Wer hat’s erfunden? Ein Schweizer …der Wissenschaftler Theophil Christen könnte dann u.U. sein Sohn gewesen sein. Für das Stahlrad bietet die DNB auf den ersten Blick nur einen mittelbaren Treffer und auch nicht viel mehr zur Person. Die Sporthochschule Köln sowie die Bibliotheken Bamberg und Mainz aber haben Stahlrad im Bestand. In Sachsen vielleicht ja auch der Radfahrerbund.

Weber veröffentlichte derweil auch das Handels- und Gewerbe-Adressbuch vom Königreich Sachsen und Jahrzehnte später das Fabrikantenbuch der Schweiz: Register der schweizer Fabrikanten, nebst Advokaten, Banken und Speditionsgeschäften.

Leipziger Verleger, sächsischer Radfahrer, Kaufmann, Chefredakteur und Schweizer…Der Mann weckt Neugier.

1903 wurde die Tour de France von einer Sportzeitung gegründet, um deren Auflage zu steigern. Ob Theophil Weber zuvor in Sachsen ganz ähnliche Interessen verfolgte? Die Kombination aus – ich nehme mal an – persönlicher Radsportbegeisterung, neuen Radrennen (1890 in Machern erstmals auch für die Damen!), etwaigen geschäftlichen Interessen mit dem eigenen Verlag und die Gründung eines sächsichen Radfahrerbundes sind dafür ein paar schöne Indizien.

Wer also war Theophil Weber?