Wer war Moritz Luftpuff? Und schrieb er nur ein Radlemecum?

Moritz Luftpuff war vielleicht ein Künstlername, den ein fahrradbegeisterter Autor um 1900 in Mittweida trug, denn auch der Buchtitel „Radlemecum“ klingt, wenn auch sehr treffend, für einen „Wegweiser für Radfahrer“ eher ungewöhnlich. Diese Reimsammlung wurde jüngst in der SLUB digitalisiert:

Hast Du ein Rad, um dann und wann
zu flieh’n durch Strass‘ und Thor, …

Außerdem – auch in anderern europäischen Bibliotheken – eine Reihe weiterer Touren- und Reisehandbücher für Radfahrer für Touren über die Grenzen Sachsens (sowieso!) und Deutschlands hinaus. Eine Übersicht dazu gibt es wieder im SLUBlog.

Nachtrag:

Noch eine Ergänzung:

Das Mittweidaer Plakat-Institut (alleinige Befugnis zum Anschlagen von Plakaten in Mittweida) gehörte auch zum Verlag des Buchdruckereibesitzers Moritz Eduard Billig, der auf Seite 6 des Radlemecums unten namentlich steht. Billig war auch der Verleger des Mittweidaer Tageblatts.

 

Schulterblick nach vorn

Wenn ich nicht Velohonig suche, dann historische Tourenbücher. Im Rückspiegel sieht das dann so aus:


… dank Bene für den allergrößten Teil des Titeltextes im neuen Reflektor Magazin für den kommenden Winter!

Wer war Theophil Weber?

Auf Theophil Weber stieß ich kürzlich in der SLUB. Dort wurde sein 1893er Tourenbuch für Radfahrer vom Königreich Sachsen digitalisiert. Mit seinem Verlag veröffentlichte er damals weitere Touren-Bücher – vom Rhöngebirge, vom Harzgebirge, von Thüringen – sowie Bände mit RadfahrerPoesie und zur Frage Ist das Radfahren gesund? mit Aerztliche[n] Gutachten über das Radfahren, die – in der dritten Auflage – noch um  … fachmännische Gutachten über das Radfahren erweitert wurden. Noch gibt es diese Bücher nicht digital [Nachtrag: Aber jetzt!]. In der Deutschen Nationalbibliothek sind nur wenige seiner Werke katalogisiert.

Theophil Weber taucht in nur einem Wikipedia-Artikel auf; dort geht es um einen Streit mit dem Präsidenten des Deutschen Radfahrerbundes Carl Hindenburg:

So kritisierte 1890 der Chefredakteur der Leipziger Zeitschrift Stahlrad, Theophil Weber, die „Verschwendungssucht“ des DRB-Präsidiums unter Hindenburg, das sich extrem hohe Gelder aus der Verbandskasse habe auszahlen lassen. […] Auf Hindenburgs Veranlassung wurde Weber gegen den Widerstand des Gaus Leipzig aus dem DRB ausgeschlossen.

Auch dieser Konflikt sollte 1891 in Leipzig zur Gründung des Sächsischen Radfahrer-Bundes führen, berichtet 2011 die Verbandsschrift 120 Jahre SRB (pdf). Derzufolge war Theophil Weber…

der in Zürich geborene Schweizer, 1886 nach Leipzig übergesiedelter Herausgeber der damals größten deutschen Radfahrerzeitung ‚Stahlrad‘ …

Wer hat’s erfunden? Ein Schweizer …der Wissenschaftler Theophil Christen könnte dann u.U. sein Sohn gewesen sein. Für das Stahlrad bietet die DNB auf den ersten Blick nur einen mittelbaren Treffer und auch nicht viel mehr zur Person. Die Sporthochschule Köln sowie die Bibliotheken Bamberg und Mainz aber haben Stahlrad im Bestand. In Sachsen vielleicht ja auch der Radfahrerbund.

Weber veröffentlichte derweil auch das Handels- und Gewerbe-Adressbuch vom Königreich Sachsen und Jahrzehnte später das Fabrikantenbuch der Schweiz: Register der schweizer Fabrikanten, nebst Advokaten, Banken und Speditionsgeschäften.

Leipziger Verleger, sächsischer Radfahrer, Kaufmann, Chefredakteur und Schweizer…Der Mann weckt Neugier.

1903 wurde die Tour de France von einer Sportzeitung gegründet, um deren Auflage zu steigern. Ob Theophil Weber zuvor in Sachsen ganz ähnliche Interessen verfolgte? Die Kombination aus – ich nehme mal an – persönlicher Radsportbegeisterung, neuen Radrennen (1890 in Machern erstmals auch für die Damen!), etwaigen geschäftlichen Interessen mit dem eigenen Verlag und die Gründung eines sächsichen Radfahrerbundes sind dafür ein paar schöne Indizien.

Wer also war Theophil Weber?

Historische Tourenbücher für Radfahrer

Aus dem Tourenbuch des Gau 21 „Sachsen“:

Allgemeines

Die Strassen Sachsens gehören durchweg den besten
Deutschlands an und sind es hauptsächlich die Gebirgs-
strassen, welche sich vorzüglich und wetterfest zeigen.

Die Beschwerlichkeiten, welche das Erreichen von
Höhen durch Schiebparthien verursacht, werden immer
durch grossartigen Naturgenuss reichlich gelohnt und
durch äusserst schöne Thalfarten aufgewogen, deshalb
ist aber auch für Touren im Gebirge eine gute Bremse
unerlässlich, indem die Strassen theilweise starke Gefälle
und kurze Krümmungen aufweisen.

Bei mehrtägigen und längeren Touren empfehle ich
jedem Fahrer, zwei wollene, sogenannte Sportshemden
mit Kragen zum abknöpfen (die besten aus engl. Flanell),
ein leinenes Nachthemd, doppelte Strümpfe, Taschen-
tücher, Regenmantel, Nähzeug, etwas Verbandzeug,
Hirschtalg, Choleratropfen, Handschuhe, Taschenmesser
u. s. w., sich im übrigen aber auf das Nothwendigste zu
beschränken, ferner das nöthige Werkzeug (Schrauben-
schlüssel, Schraubenzieher), Draht, Bindfaden, gefüllte
Oelkanne, gerichtete Lampe, Riemen zum aufschnallen
der Joppe etc.

Möge nun dieses Werkchen den versprochenen
Zweck erfüllen und alle Sportsgenossen veranlassen,
recht fleissigen Gebrauch davon zu machen, auch soll
es den Herren Fahrwarten das Vorschlagen von Club-
touren erleichtern, damit das Tourenfahren zu immer
grösserer Blüthe gelange.

Dresden, im Juni 1893.

Mit kameradschaftlichem „All-Heil“

M a x H e r t el,
Gaufahrwart.

ScreenShot-SLUBdigital-TourenbuchWer weiß mehr als ich über die Tourenbücher für Radfahrer Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts? Eine digitale Kollektion historischer Tourenbücher für Radfahrer scheint es noch nicht zu geben. Die Deutsche Digitale Bibliothek verzeichnet aktuell nur den oben zitierten Band. Die SLUB hat außerdem noch das Tourenbuch für Radfahrer vom Königreich Sachsen / unter Berücksichtigung der angrenzenden Staaten aus dem Jahr 1893 und das Tourenbuch des sächsischen Radfahrer-Bundes digitalisiert und ein Tourenbuch des Vogtlands sowie Tourenkarten im Katalog. Und für andere Regionen wurden seinerzeit ähnliche Büchlein verlegt.

Das fehlt vielleicht noch: Eine Kleine Geschichte der Tourenbücher für Radfahrer. Allein die Inserate der Fahrrad-, Fahrradteile- und Fahrradkleidungshändler und der Hotels erzählen jede Menge über Zeitgeist und Fahrradkultur – weit vor Bed & Bike.

Ich kann nicht fliegen. Egal, wie viel Honig ich esse.

Seit kurzem sammle ich Velohonig. Ein Naturprodukt, denn Echter Velohonig wird mit Muskelkraft bewegt. Die Blumen, die Bienen und die Imker erlediVelohoniggen ihren Teil. Und dann heißt es: Mit dem Rennrad aufs Land, Imker suchen, ein Glas Honig kaufen und so weiter.

Dieses Hobby hat ein paar Vorteile. Es schmeckt. Die Sorten- und Geschmacksvielfalt steigt mit der Zahl der besuchten Imker. Fast immer ergibt sich dort ein gutes Gespräch. Weiterlesen