Drive in

Warum sammelst Du digitale Tourenbücher für Radfahrer?

Es ist sehr einfach als Radfahrer Fahrradgeschichte zu schreiben digitalisieren zu lassen und damit für alle zugänglich zu machen – um die Touren wieder zu fahren und um die Fahrradhobbylobby oder Wissenschaft zu unterstützen: Heimatforschung, Wirtschafts-, Technik- und Tourismusgeschichte.

Zumindest ist das mein Antrieb, diese Sammlung weiter wachsen zu lassen: Radfahrerwissen reloaded.

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Ein neues Tourenbuch für Radfahrer

Wenn ich es schaffe, notiere ich in den nächsten Woche meine Ideen für ein neues Tourenbuch. Wahrscheinlich wird das Inhaltsverzeichnis beim Ausdrucken ganz anders aussehen, als der folgende Entwurf, aber in Zeiten fast grenzenloser Kollaboration beim Schreiben digitaler Texte stelle ich diese Kapitelüberschriften gern hier zur Diskussion und bin ab jetzt gespannt auf weitere Anregungen. Einige Überschriften tauchten hier im Blog schon ein- oder zweimal samt Textfragmenten auf, andere wollen noch unterfüttert werden:

  • Königreich Sachsen
  • Nach Süden
  • Nach Norden
  • Weltwärts
  • Krüge und Bierbars in Estland
  • Straßen in Sachsen und Hauptrouten in Mitteleuropa
  • Honig in Polen
  • Velo essen und trinken
  • Nadelarbeit
  • Heimatforschung: Open Access für Radfahrer
  • Pioniere der Landstraße
  • Jede neue Rundfahrt verändert dein Gehirn
  • digitale Bibliografie

Gibt es noch diese alten Dorfkrüge und Bierbars Bierbuden in Estland?

Wer kann Estnisch, kennt Estland und will helfen, die Krüge (Kr.) und Bierbars Bierbuden (Bierb.) von 1896 ausfindig zu machen und zu besuchen? Falls sie heute noch Gäste erwarten. Vielleicht kann uns Googlemaps bei der ersten Recherche helfen!

Zum Weiterlesen: Riding toward the Civil Society: Bicycle in Nineteenth-Century Estonia von Mikko Kylliäinen

Nachtrag

Nicht nur ein Tausendsassa mit Rad und Wort – viele!

Tourenbücher für Radfahrer hatten – in Zeiten ohne OpenStreetMap, Apps und GPS – im Leben draußen und auf dem Fahrrad ein echten Nutzwert: Streckenverläufe, Entfernungstabellen, Tipps zu Land- und Leuten, Anzeigen von Hotels, Gasthäusern (Bierbar und Krüge im Tourenbuch für Estland!), Fahrrad- und Trikothändlern. Schon diese Vielfalt ist beeindruckend.

Aber, wer waren diese Typen, die Touren-, wanderbücher und Wegweiser für Radfahrer schrieben und/oder deren Erscheinen organisierten? Allesamt Radfahrer und Reisende aus Leidenschaft, Pioniere, Funktionäre, Bürgerliche. Die rasante Entwicklung des Fahrrades in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war in erster Linie eine (ingenieur?)-technische Leistung und später eine des Lobbiismus für „gute Straßen“, wie Charlton Reid in seinem Buch Roads were not build for cars für Großbritannien und die USA zeigt. Aber – und das ist hier die These – der Erfolg des Fahrrades war auch eine literarische Entwicklung, die von Autoren (und auch Autorinnen?) angefeuert wurde, die die Landschaften und Wege außerhalb der Städte – zuerst für die Bürgerlichen, dann für große Teile der Arbeiterschaft und die Arbeiterbewegung – vermaßen, beschrieben und damit sicht- und lesbar machten. Tourenbücher müssten damals verlegerisch ein gutes Geschäft gewesen sein, schauen wir und die vorliegende Vielfalt an. Wer waren diese Fahrrad fahrenden Tausendsassa (vgl. Blog des ABC)? Weiterlesen

Cycling toward the civil Society

Den Artikel Riding toward the civil Society – Bicycle in Nineteenth-Century Estonia von Mikko Kylliäinen fand ich bei der Spurensuche zu Estischen Radfahrervereinen ausgehend vom grandiosen Touren-Buch von Estland mit Fortführung der Touren bis in die Städte Nord-Livlands von 1897, in dem nicht nur damalige (Dorf-)Krüge und die Bierbars entlang der Wegstrecke, sondern auch der umfangreichste (mir bekannte) Anzeigenteil eines historischen Tourenbuchs für Radfahrer, zu finden sind. Riding toward the civil Society kann fast schon als Leitgedanke für das Baltikum, die Nachbarländer, Europa etc. dienen. Mikko Kylliäinens Abstract:

The diffusion of the predecessor of the modern bicycle, the velocipede, started in Europe at the end of the 1860s. Around this time the velocipede also arrived in the area populated by Estonians, at the same time as in the neighboring Finland. The popularity of the bicycle started to grow in the 1880s, when the Baltic Germans first started to found bicycle clubs. In Estonia and northern Livonia, the Baltic Germans had the best possible means of acquiring a manufactured bicycle from abroad. However, this was not the only example of cycling culture in the governments of Livonia and Estonia; also the ordinary people had been interested in cycling since the 1880s. Estonians started to form their bicycle clubs in the 1890s, when the sales of bicycles were growing all over the world. Perhaps, the foundation of bicycle clubs can be partly explained also by the political situation in Estonia and Livonia and the national awakening of the Estonians. Similarly to other types of clubs, the bicycle clubs also offered people a chance to discuss social matters and politics. Thus, the civil society was partly built in bicycle clubs, too.

Meine Visionen: Zum Frühstück servieren wir gemeinsam Europahonig.

Neuauflagenwunsch: „Rad-Rundfahrten in Deutschland“ mit Velohonig

Die „Geschichte der Waldimkerei in der Sächsisch-Bömischen Schweiz“ kommt hiermit auf die Liste der offenen Forschungsfragen. Zuweilen wird die Waldimkerei in touristischer Literatur beiläufig erwähnt, denn die Imkerei bzw. Zeidlerei scheint dort – z.B. im böhmischen Brtníky – eine wesentliche Nebenerwerbsquelle der Köhler- und Holzfällerfamilien gewesen zu sein. Im Rahmen der jeweiligen Ortsgeschichte bleiben es trotzdem Randbemerkungen.

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Quelle: „Rad-Rundfahrten in Deutschland | Sächsisch-Böhmische Schweiz“, S. 30, http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/101365/30/, SLUB Dresden

Für Rad-Rundfahrten in der Sächsisch-Böhmische Schweiz fand ich kürzlich in der SLUB diesen vierten digitalisierten Band der Reihe „Rad-Rundfahrten in Deutschland“ von 1899, der sich gut in die Sammlung historischer Tourenbücher einfügt, sich aber ausdrückllich mit dem Schwerpunkt auf Rundfahrten von eben diesen unterscheiden will (vgl. Vorwort). Der Band ist textlastiger als andere Touren- und Wanderbücher für Radfahrer damals und beinhaltet weniger Zahlenmaterial und Entfernungstabellen. Bemerkenswert sind auch die imposanten Landschaftsbilder und mehrere Karten im Inneren. Da in der Reihe „Rad-Rundfahrten in Deutschland“ Ausgaben auch für andere Regionen (digital auch für das Rhein-Mosel-Gebiet) erschienen sind, wäre deren weitere Digitalisierung durch andere Bibliotheken wünschenswert: Weiterlesen

Digitale Karten: Material für Radfahrer auf Suche nach Honig

Zu digitalisierten Touren- und Reisehandbüchern gehören auch eine große Zahl historischer Karten für Radfahrer für viele Regionen, von denen manche auch digitalisiert werden. Hier die bereits digitale Kartenauswahl aus dem Kartenforum der SLUB Dresden:

Historisch begründetes Fernweh? Ein Ziel, um selbst bei Imkern Velohonig zu besorgen und dabei ein Nachbarland zu entdecken, könnte die Gegend um Honig in Polen sein. Im SLUB-Kartenforum gibt es dieses alte Messtischblatt des Ortes Honig. Wie Honig (Chojnik, województwo wielkopolskie / Landkreis Ostrowo) zu seinem Namen kam und ob bzw. wie viele Imkereien es dort heute gibt, um beim nächsten Besuch auch örtlichen Velo- und Europahonig einzukaufen, bleibt herauszufinden!

Quelle: SLUB/ Deutsche Fotothek: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/71054924/

Quelle: SLUB/ Deutsche Fotothek, www.deutschefotothek.de/documents/obj/71054924/

[Ergänzungen]

Wer war Moritz Luftpuff? Und schrieb er nur ein Radlemecum?

Moritz Luftpuff war vielleicht ein Künstlername, den ein fahrradbegeisterter Autor um 1900 in Mittweida trug, denn auch der Buchtitel „Radlemecum“ klingt, wenn auch sehr treffend, für einen „Wegweiser für Radfahrer“ eher ungewöhnlich. Diese Reimsammlung wurde jüngst in der SLUB digitalisiert:

Hast Du ein Rad, um dann und wann
zu flieh’n durch Strass‘ und Thor, …

Außerdem – auch in anderern europäischen Bibliotheken – eine Reihe weiterer Touren- und Reisehandbücher für Radfahrer für Touren über die Grenzen Sachsens (sowieso!) und Deutschlands hinaus. Eine Übersicht dazu gibt es wieder im SLUBlog.

Nachtrag:

Noch eine Ergänzung:

Das Mittweidaer Plakat-Institut (alleinige Befugnis zum Anschlagen von Plakaten in Mittweida) gehörte auch zum Verlag des Buchdruckereibesitzers Moritz Eduard Billig, der auf Seite 6 des Radlemecums unten namentlich steht. Billig war auch der Verleger des Mittweidaer Tageblatts.